funden habt; wie nackt und armselig erscheint eure Pracht nebendem Glanze eines Sonnenaufgangs über die erwachende Welt,neben dem Strahl der Morgenröthe, welcher den ewigen Himmeldurchdringt!
Die Natur feiert an jedem Sommermorgen ein Fest ihrereigenen Schönheit, und selbst den rohen Wilden erschüttert dieGewalt dieser göttlichen Erscheinungen. Welche Gefühle nunmüssen des erleuchteten Christen Herz da bewegen!
Die Nacht hat ihr erquickendes Werk vollbracht: sie hatdenr Müden neue Kraft, sie hat dem Kranken balsamischenSchlummer, dem Unglücklichen Träume des Trostes gegeben.Nahe ist die Stunde des Erwachens Aller. Schon umschwimmteine blasse Dämmerung die Hügel und Wälder; Hütten undGebüsche treten schon verworren und klarer aus den geheimenFinsternissen, und silberweiße Nebel lagern auf den Wiesen undüber den Flüssen enger zusammengedrängt. Zu den Wolken desHimmels steigt singend die Lerche, um den werdenden Tag zubegrüßen; aus der Ferne herüber tönt des Hahnes Krähen, undverkündet den anbrechenden Morgen. Kalt und düster schweben,wie riesenhafte Schatten, am Rande des Gesichtskreises diehohen Gebirge.
Immer Heller glänzen die Farben der nahen Gegenstände.Der Morgenstern funkelt blaß über Gcwölke nieder, derenSaum sich in der Tiefe entzündet und mit dunkclcr Gluthüber die Fluren leuchtet. Ein goldenes Feuer strömt durch denganzen Himmel herauf; es wird gewaltiger von Augenblick zuAugenblick. Die Gipfel der Berge lodern wie Flammen aufOpferaltären, Verklärung umfließt die Haine und Höhen, undselbst die Wolken des Abends leuchten herrlich zurück. DieVögel in den Gebüschen erwachen und entflattern ihren Nestern;die Heerden werden rege; der thätige Landmann tritt vor dieHütte in die Wohlgerüchc der blumenreichen Flur hinaus. Abertiefe Stille waltet noch immer in der Welt, und wie in großerErwartung liegt Alles lauschend da.
Und ein kühler Hauch von Morgen her durchschaucrt alleWesen, durchbebt die blühenden Zweige des Baums, und die
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