lichcs Haupt. Welch ein ungeheurer Zwischenraum dehnt sichnicht zwischen dem todt fliegenden Samenstaub und der er-habenen Menschenseele aus, die Gott denkt! Welche MillionenStufen und Stufen in unabsehbaren Reihen vom niedrigstenGeschöpf, das wir kennen, bis zu der Höhe, wo der Menschsteht!
Aber wie? ist hier schon die letzte Höhe? Endet nun schondie Himmelsleiter der Schöpfung? Ragt der gebrechliche Menschschon unmittelbar an die Majestät Gottes? Verlaß, o meineSeele, mit deinem Blick die Erde, und sieh empor in jeneRegionen, wo unzählbare Welten in unnennbaren Fernenschweben, und die wir wegen ihrer Ungeheuern Weite nur nochals glimmende Funken erkennen. — Wie wird dir bei diesemAnblick ? Du siehest und ahnest neue Stufen, neue Wesen, neueKräfte droben! Aber ein undurchdringlicher Schleier verhülltuns dies prachtvolle Schauspiel. Durch die Kunst der Fern-rohren haben wir nun erfahren, daß jene kleinen Sterne Welt-körper sind, so groß und öfters noch viel tausendmal größer,als der Erdball, auf dem wir wohnen.
Und wenn ich denn aus dem schließen darf, was ich hie-nieden sehe, auf das, was mir dort dunkel ist; wenn dieStufenleiter zur göttlichen Vollkommenheit ins Unendliche fort-geht: so sind dort vielleicht Welten, ähnlich verwandt unsererErde, wie die Pflanze dem Thiere, wie das Thier dem Menschen;so stehen dort Weltkörper, neben deren Größe und Pracht unserErdball nur ein flüchtiger Sonnenstaub ist; so stehen dort Weltenvon höher» Wesen bewohnt, die stufenweise emporgehen überuns, wie wir über Pflanzen und Thiere!
Und die schimmernde Kette der Schöpfung steigt mit den-selben höher, immer höher durch Vas Reich aller Möglichkeit,aller Vollendungen. Darf ich glauben, baß ich das vollkommensteWesen der Allmacht sei? Ich bin es hienieden, aber bin ich esin andern Regionen? Wie lange ist noch die Reihe besserer,vollkommener Geister über mir!
Himmlische Wesen, heilige Engel, Erzengel, oder mit welchemNamen die dürftige Menschenzunge euch schmückte, ihr erhebet