Von den Schlag- und Blutadern. 187
hen haben; weil eine verhältnißmäßig große Schlagader, dieschräge aus der Seite einer andern entsteht, in diese eine zugroße Oeffnung machen, und sie schwachen würde. Und die-ser doppelte Endzweck wird auf einmahl dadurch erreicht, daßdie Schlagadern, die die Aeste abgeben, so eingerichtet sind,daß sie sich mehr oder weniger nach den Aesten hinbeugen,die sie abgeben, je nachdem diese Acste größer oder klei-ner sind.
Borelli hat die Kraft des Herzens, welche es bey je-der Zusammenziehung (L^klole) anwendet, gleich dreytau-send Pfund berechnet; die Kraft aber, welche alle Schlaga-dern bey jeder Zusammenziehung ausüben, zu sechzehntau-send Pfund angegeben; den Widerstand aber, den sie inSge-sammt überwältigen, hundert und sechs und dreyßigtausendPfund. O. Aeil aber schlägt die Kraft des Herzens in jederZusammenziehung nicht höher als acht Unzen an. Die ersteBerechnung gründete sich auf eine Vergleichung des Herzensmit andern Muskeln, deren Kraft im Halten einer Last be-stimmt wer,den konnte; die letztere aber wurde nach der Schnel-ligkeit der Bewegung des Bluts in einer Schlagader gemacht,wenn wir nun also erwägen, daß BorelkG Verfahren ihndarauf leitete die absolute Kraft des Herzens auszufinden, undv. Aeils seins, die Kraft die das Herz gewöhnlich ausübt,berechnete, so könnten wir uns die so große Verschiedenheitdieser Angaben vielleicht erklären; denn wenn die Kraft diedas Herz beständig ausübt, verglichen mit der irgend einesandern Muskels; nur in eitlem wechselseitigen Verhältnißmit der Menge (kregueiia^) ihrer Wirkungen, und der Wich-tigkeit ihrer Verrichtungen wäre, könnte nicht dann das Herzsehr zweckmäßig eine weit größere Kraft haben, als es ge-wöhnlich ausübt, da es immer in Wirkung ist, und selbst'in dem schwächsten Gesundheitszustände immer noch zu Aus-übung einer gewissen Kraft geschickt seyn muß. Wie großdie Kraft sey die das Herz je in einem erwachsenen Mannausübt, kann ich nicht bestimmen; aber sie muß in jeder