Druckschrift 
1 (1799)
Entstehung
Seite
189
Einzelbild herunterladen
 

^va6 man Genie heißt. Die allgemeine Bewunde-rung, welche solche ausnehmende Geschicklichkeiten aussich ziehen, ist ein Theil ihrer Belohnung, und machteinen desto großem oder geringern Theil derselben aus,nachdem diese Bewunderung selbst größer oder geringerist. Sie macht einen beträchtlichen Theil in der Beloh-nung des Arztes, einen großem in der eines Sachwal-ters , und beynahe die ganze Belohnung des Dichtersund Philosophen aus.

Es giebt gewisse sehr anmukhige und Vergnügenbringende Talente, die der Person, welche sie besitzt,immer einige Bewunderung zuziehen, die aber, wermsie als Erwerbsmittel gebraucht werden, nach der Mei-nung der Welt, sie mag nun aus Vorurtheil, oder ausvernünftigen Gründen entstanden seyn, eine Art vor»Erniedrigung mit sich führen. Diejenigen Personennun, weiche sich ihnen wirklich aus diese Weise widmen,müssen durch die Geldbelohnung, die sie bekommen,nicht nur für die Zeit, die Mühe und den Aufwand,welche ihnen die Erwerbung ihrer Talente gekostet hak,sondern auch für die Art von Schande entschädigt wer-den, die mit der Anwendung derselben, als eines Unter-haltSinittelö, verbunden ist. Auf diesen beyden Grün-den beruhen die ausschweifend hohen Gehalte, welcheSchauspieler, Opernsänger und Operntänzer bekom-men; auf der Seltenheit und Anmuth ihrer Ta-lente, und auf der Unehre, welche mit der Art, wiesie davon Gebrauch machen, verbunden ist. Es scheintbeym ersten Anblicke ungereimt, daß wir ihre Personenverachten, und doch ihre Kunst mit verschwenderischerFreygebigkeit belohnen. Aber eben weil wir das eine

thun.