Druckschrift 
1 (1799)
Entstehung
Seite
XLIX
Einzelbild herunterladen
 

Dankbarkeit und Rachbegierde H sind die beydenPrincipien in der menschlichen Natur, die uns am un-mittelbarsten zur Belohnung oder zur Bestrafung ge-wisser Handlungen andrer antreiben. Von einerPerson also sagen, daß sie Strafe oder Belohnungverdient hat, heißt soviel als sie für einen schicklichenGegenstand der Dankbarkeit oder der Rachbegierdehalten. Oder, mit noch andern Worten, es zeigt an,daß sie bey einer gewissen andern Person eine Dank-barkeit oder einen Unwillen erregt hat, mit welchemalle andere vernünftige Menschen sympathisiren.

Es muß indeß hierbey noch bemerkt werden, daß,um die wohlthätigen Handlungen eines Mannes alsverdienstlich zu betrachten, nicht genug ist, das Guteeinzusehen, welches dadurch einem andern zu Theilegeworden, sondern daß auch die Bewegungsgründe,um derentwillen die Handlungen geschehen sind, alsschicklich anerkannt werden müssen. Wir müssen nichtbloß mit der Freude des der eine Wohlthat von demandern erhalten hat, sondern auch mit den Gesinnun-gen des Wohlthäters sympathisiren können. UnsereEmpfindung bey dem Verdienstlichen einer Handlung

ist

*) Rachbegierde hat im Deutschen immer den schlimmenNcbenbegriff einer unmäßigen und übcrrricbencn Em-"pfindlichkeit gegen Beleidigungen. Ntssemmsnt, imEnglischen, ist bestimmter, und deswegen der Stelleangemessener. Der deutschen Sprache fehlt das ge-nau entsprechende Wort. A. d. U.

' Smith Unters, r. Th. d