157
die Menschen zu taufen, sobald sie an ihn glauben würden, son-dern er sprach: Gehet hin, lehret alle Völker, und taufet sie,und lehret sie halten Alles, was ich euch befohlenhabe! (Matth. 28, 20.)
Sie gingen hin — keine Todesgefahren, keine Entbehrungen,keine Mühseligkeiten konnten sie von dem heiligen Werke ab-schrecken. Sie gingen hin, mit der gewissen Aussicht auf Ver-folgungen und Tod. Aber ihre Schüler waren von dem gleichenGeiste ergriffen, wie sie. Diese sahen die schmerzvollen Todesartenihrer ehrwürdigen Lehrer. Doch weit entfernt, dadurch vomBekenntniß der Wahrheit zurückgetrieben zu werden, ließen siedas Wort Jesu Christi nur desto lauter erschallen. Ihre heilig-sten Versammlungsörter »vurden die Gräber derer, welche fürdie Religion als Zeugen der Wahrheit gestorben waren. Andiesen Gräbern erneuerten sie begeistcrungsvoll ihr Gelübde zurentschlossenen, unerschrockenen Nachfolge. An diesen Gräbernerhob sich ihr Muth wieder, wenn er zu wanken drohte. Andiesen Gräbern weihten sie ihre Freunde, ihre Verwandten, ihreKinder in das Heiligthum des Christenthums ein.
Dieser Trieb, die Religion Jesu unter den Völkern zu ver-breiten, war in Allen eine Folge des Pflichtgefühls. Er be-wahrt sich daher bis zu den spätesten Zeiten unter den christlichenVölkern. Sowohl auf Unkosten der Fürsten, als durch die ver-einte Kraft frommer Gemeinschaften wurden Glaubenslehrer inentfernte Weltgegenden versendet, um unter wilden Völkern dieLehre Jesu und den Glauben an den lebendigen, wahren Gottzu verkünden. Daher ist heute kein Welttheil mehr, wo nicht dasKreuz aufgepflanzt worden, als Sinnzeichen der triumphirendenChristusreligion. Es ist kein Welttheil mehr, wo nicht öffentlichin Tempeln die heilige Wahrheit des ewigen Sohnes gepredigtwürde.
Und noch immer dauern in vielen Ländern die frommen An-stalten zur Verbreitung des Christenthums fort, bekannt unter demNamen der Missionsanstalten. Noch immer finden sich beherzte,für Gott und sein Wort begeisterte Männer, welche ihr Lebendem erhabenen Zwecke weihen, gleich den Aposteln in die Wild-1l. 20