enthaltsam lebten, wo Andere schwelgten, großmüthig demFeinde verziehen, wo Andere sich der Rache gefreut habenwürden, in unaufhörlicher Thätigkeit für die Welt nützlichwirkten, wo Andere sich dem Strom leerer Vergnügungenüberließen.— Wie? sind die Tugenden der ganzen Vorwelt, dieBeispiele der Jünger Jesu, der Sieg des Aufersiandenen, welchersein großes Werk endlich glänzend krönte, für mich verlorengegangen? Ist nichts mehr fähig, mich zu dem göttlich großenMuthe zu begeistern, so edel und gut zu werden, als ich esirgend werden kann ? — zu werden in meinen Verhältnissen, alsein Schüler des Weltheilandes, was die ersten Schüler Jesu inihren Verhältnissen geworden waren? Wie, sollte auch ich einstnicht Sieger über Sünde und Tod sein, und am Ende einer schönenLaufbahn ausrufen können: O Tod, wo ist dein Stachel, mitdem du drohtest? Ich sehe dich bezwungen; ich sehe nur Leben,nur einen offenen Himmel, nur Fortdauer meines Geistes inunendlich größern Vollkommenheiten, als ich auf Erden mirerwarb! O Hölle, wo ist dein Sieg, Sünde, wo ist deine Macht?Ich habe dich überwunden durch Jesu Wort, durch Gottes Liebe.Ich habe einen guten Kampf gekämpfet; mir strahlt die Kronedes bessern Lebens!
Ja, Ueberwinder des Todes, Auferstandener! ich wage es,den gesunkenen Muth in mir zu erheben, und Deinem Beispielzu folgen. Es ist nur ein Kleines, dann habe ich meinen Laufvollendet; warum sollte ich für die kurze Frist des Lebens nichtKraft genug haben , das Irdische in mir zu bekämpfen, undeinen göttlichen Wandel zu führen? Warum sollte ich michscheuen vor den Menschen, vollkommener zu werden, als ichbin? Warum sollte ich der Menschen wandelbares Urtheilfürchten, und des Urtheils Gottes, des Allwissenden, desAllgerechten, vergessen?
Zwar, ach ich fühle es, oft ist der Kampf schwer. Erzogenin besondern Vorurtheilen, und von Kindheit an gewöhnt, michvon ihnen unvermerkt leiten zu lassen, werde ich mich noch oftselbst vergessen, und wider meinen Willen, wider meine bessereUeberzeugung hinwcgreißen lassen. Ich fühle cs, daß meinem