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2 (1837) Andachtsbuch einer christlichen Familie
Entstehung
Seite
434
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zu verhüten, daß die Welt glaube, sie könnten beten. Esgibt Andere, welche von der Wahrheit der Religion aufs Tiefstedurchdrungen sind, aber aus einer wunderlichen SchüchternheitLies vor den Leuten nicht nur verhehlen, sondern selbst in muth-willigen Gesellschaften ohne Zurückhaltung mit einstimmen, wennreligiöse Gegenstände irgend einer Art auf lächerliche Weise ver-handelt werden.

Was wollen diese? Sie sind religiös, und möchten daSGegentheil scheinen. Es geschieht dies wahrlich keineswegs ausDemuth, sondern aus thörichter Eitelkeit. Sie fürchten, sich vorden Leuten etwas lächerlich zu geben, oder für schwachen Ver-standes gehalten zu werden. Sie wollen einig bleiben mit Gottund ihren innersten Ueberzeugungen, aber es auch nicht mit derWelt verderben. Sie möchten zween Herren dienen, da sie zwschwach sind, einem einzigen sich ganz zu weihen.

Zwar es ist allerdings unlöblich, mit Religiosität Prunk zwtreiben; sie ist eine allzuköstliche Sache, um gemeiner EitelkeitWerkzeug zu werden. Es ist ein übertriebener Frommensinn,bei allen Gelegenheiten, also auch bei ganz unschicklichen An-lässen, den Namen des Herrn, fromme Redensarten, biblischeSprüche im Munde zu führen. Es ist Unklugheit, in fröhlichenGesellschaften, wo der Muthwille vorherrschend ist/Gesprächeüber das, was den Ernst aller Seelen aufbietet, sehr unzeitiganzubringen. Sei in jeder Stunde und an jedem Orte das,was du für diese Stunde und für diesen Ort sein sollst. Freuedich mit den Fröhlichen, weine mit den Trauernden. Aber schämedich von der andern Seite auch keineswegs deines Christenthums,wenn Stunde und Ort dir gebieten, aus deinen tiefsten Ueber-zeugungen kein Geheimniß zu machen. Erröthe nicht, zu demdich zu bekennen, was das Glück deines ganzen Wesens begrün-det. Verläugne Jesum nicht.

Thue recht, dann scheue Niemanden. Du hast Religion:warum schämst du dich ihrer? Du fürchtest, verkannt zuwerden von den Leuten? Deine Besorgniß ist sehr ungegründet.Hast du schon in andern Dingen deine Verständigkeit bewiesen,so fürchte am allerwenigsten, darum für unverständig gehalten