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Jede der verschiedenen Leidensstunden des Messias ist für michwichtig, belehrend, rührend. In jeder duldete der Messias auchfür mich. In jeder besiegelte er auch mir die ewige Wahrheitseines Wortes.
Welch eine Nacht, die er in Todesangst auf Gethsemane durch-wachte, als Undank ihn verrieth, Bosheit sich wieder sein heiligesLeben verschwor, und Sünder über ihn zu Gericht saßen! Welcheine Nacht, als er, von seinen Freunden verlassen, einsam' dalagim Staube, und zum Vater betete; als er seine Jünger suchte,die harmlos schlummerten, wie Kinder, die keine Gefahr kennenund keine fürchten, und nicht ahneten, was sein Herz zerriß!Wie er da zu ihnen trat, wie er ihnen zurief: „Meine Seele istbetrübt bis in den Tod; bleibet hier und wachet mit mir!" Ach,Keiner von Allen fürchtete die Augenblicke des Entsetzens, welcheso nahe lagen, und deren das menschliche Geschlecht nie ver-gessen konnte, nie vergessen wird.
Welch eine Nacht, als Jesus in tiefster Angst ohnmächtigin sich selbst zurücksank; als er nun empfand, die furchtbare Bürdesei ihm zu schwer; als er zu Gott sprach: „Vater, ist es nichtmöglich, daß dieser Kelch von mir gehe, ich trinke ihn denn?Doch nicht mein, sondern Dein Wille geschehe!" Und sein Schweißward wie Blutstropfen, die fielen auf die Erde.
Welch eine Nacht, da die feierliche Stille des zur Andachtgeweihten Ortes vom Geräusch der Waffen unterbrochen ward;da blutdürstige Kriezsknechte den edeln Dulder umringten, er-griffen, hinwegschleppten; da er vor dem Richter stand, er, derdie Welt zu richten hat; da schaudernd seine Anhänger entflohen,seine Freunde ihn verläügneten; da der Erhabenste, der Heiligsteein Spott des Pöbels ward!
Oder soll ich dem unschuldig Verurtheilten Nachfolgen aufdem schmerzenreichen Wege zum Tode; ihn sehen, wie er, blutigenHauptes, verwundet und zerschlagen, sein Kreuz zum Richtplatzzog? Ihn suchen auf der Schädelstätte, am Kreuze schwebendzwischen Missethätern, wie er da bange und wehmüthig denBlick zum dunkeln Himmel richtet, wie er mit sterbendem Mundestammelt: mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?