Druckschrift 
2 (1837) Andachtsbuch einer christlichen Familie
Entstehung
Seite
411
Einzelbild herunterladen
 

Nationen, so lange sie ftomm und treu in ihrem Glauben blie-ben, und auf Thronen wie in Hütten die Vorschriften, welcheder Weltheiland gab, erfüllt wurden, sind blühend, stark undgeehrt geblieben; aber sie sind gedemüthigt, sie sind unter-gegangen, sobald man entweder anfing, leichtsinnig und vor-nehm mit der Religion Gespött zu treiben, oder statt wahrerReligiosität nur prunkvolle Kirchen- und Priestersache, todtesZeremonie! und Aberglauben annahm. Sie sind gedemüthigt,sie sind untergegangen, sobald die Mehrzahl des Volks die Heils-lehre Jesu vergaß, Selbstsucht und Eigennutz statt Gemein-nützigkeit, Zwietracht statt Liebe, Ueppigkeit und Wohllebenstatt Selbstverläugnung übte.

Wie im Großen, bewies sich der Werth der Religion undFrömmigkeit auch im Kleinsten. Die Tugendhaftesten derMenschen waren und sind noch heute die Geliebtesten, dieGlücklichsten. Habe Einer Klugheit, wie er wolle, aber keinredliches Gemüt-H, er wird verachtet, gemieden; Niemand trautihm. Er wird, so mächtig, so reich er auch sei, sinken; mitRänken sich wohl aufschwingen, aber nur, um früher oder spätertiefer zu stürzen, oder vielleicht erst über seinem Grabe für seineNachkommen Fluch und Unsegen zu sammeln. Er wird, betrageer sich auch nach bürgerlichen Gesetzen so redlich als er wolle, undhat er daneben ein unreines, gottvergessenes Herz, in ewigemZwiespalt mit sich selbst, in ewiger Angst bei seinen heimlichenVerirrungen sein; viel Mühe haben, um gut zu scheinen, unddoch entlarvt werden zu seiner Zeit. Er ist unglücklich, weil erim Widerspruch mit der göttlichen Weltordnunz, im Widerspruchmir seinen bessern Ueberzeugungen und seiner innern Natur lebt,und durch gemeine Klugheit die Wirkungen der Religiosität, mitdem bloßen Schein das wirkliche Wesen, und die rechte Gesundheitmit einem geschminkten Angesicht ersetzen zu können wähnt.

Alltäglich lehrt die Erfahrung, daß ohne Religiosität desGcmüths kein Sterblicher sicher ist, in die gröbsten Vergehungenzu gerathen; daß die Laster endlich zur Zerstörung nicht unftrsäußern Glücks, sondern der körperlichen Gesundheit, zur öffent-lichen Schmach, zum Kerker, zum Richtplatz führen.