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2 (1837) Andachtsbuch einer christlichen Familie
Entstehung
Seite
402
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endlose Reihe feiner irdischen Leiden zu beruhigen. Der beglückteVerbrecher lächelt, und spricht voll Hohns: Dieses Trostesbedarf ich nicht; gern will ich ihn demjenigen lassen, der ihnnöthig hat.

Wo bin ich? Welche Versuchungen meiner eigenen Stand-haftigkeit im Guten! Welche schwere Prüfungen meines Glaubensan Vorsehung und Vergeltung und an den Werth der Tugend!Welche Widersprüche zwischen meinen innigsten und heiligstenÜberzeugungen und meinen Erfahrungen in diesem Leben!

Sind wir nur hier, des Sünders Triumphe anzustaunen,und den Edeln zu bemitleiden, dem seine Geistesgabcn zumVerbrechen gereichen; den seine Rechtschaffenheit zum Elendedes Bettelstabs führt; den seine Keuschheit zum Gespött derfrevelnden sittenlosen Menge macht; den seine Treue gegenGott und Vaterland in die Verbannung verstößt; den seineWahrheitsliebe in den Kerker schleppt, den seine Unschuld zumBlutgerüste hinaufführt?

Oder hat die Geschichte der Vorwelt, hat die Geschichteunserer Zeit nicht Beispiele genug von diesen harten Wider-sprüchen darzulegen?

Ich will mich beruhigen. Ernst will ich über die Ziele derTugend und des Lasters Nachdenken. Ich werde in diesemIrrgarten einen Ausweg finden ; werde meine Zweifel auflösenkönnen, die mich jetzt verwirren. Es ist nicht möglich, daß dieTugend unterliege, wiewohl sie oft der Bosheit zum Spottdient; es ist nicht möglich, daß das Laster siegreich triumphire,wiewohl es oft bis zum Ende seiner Laufbahn vergöttert wird.Nicht möglich ist es, oder alle Weisheit wäre Wahnsinn, alleReligion Jrrthum, und der Allergerechteste, den uns Jesusoffenbarte, nicht gerecht.

Und was ist denn der Zweck aller Tugend? Was istTugend selbst ?

Tugend nach Jesu Sinn ist eine Heiligung meines Geistesvon jeder-Sünde; eine Vermehrung meiner Kraft und Hoheitüber die Anreizungen des Irdischen; ein Streben, das, was