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Er schwelgt und sündigt; seine einzige Tugend heißt Klugheit,seine einzige Herzensgute Lebensart, sein einziges VerdienstReichthum. Ihm fallen neue Güter zu, und was er unter-nimmt, gedeiht, als beeifere sich selbst der Himmel, die Bosheitzu segnen. Menschen umringen ihn mit Ehrenbezeugungen.Ich sehe mit Erstaunen das Laster vergöttert, und die Tugendverspottet im Staube und Finstern wandeln, wie ein Verbrechen.Wie? Schläft die Vergeltung? Ist kein Richter über denSternen? Ist die Erde das Paradies des Lasters, ist sie dieHölle des Gerechten?
Er schwelgt, und unter beglückten Gräueln wird endlich seinHaar grau. Man umringt das furchtbare Ungeheuer mit scheuerEhrfurcht. Seine Stunde aber schlägt. Er stirbt ohne Reue,wie er ohne Gewissen lebte. Er entschlummert süß auf seinemweichen Kissen, wie der Gerechten einer. Feierlichkeiten um-ringen seinen Sarg, Marmorsäulen bedecken sein Grab. Zwarwird der Mund der Wahrheit schon zwischen dem Todtenprunkelaut; zwar rauschen die Flüche der Welt an seinen Marmor-säulen vorüber; zwar sieht sein Andenken im Gedächtnis allerUeberlebenden ruchlos da. Aber- der Tod hat sein Auge ge-schlossen. Der glückliche Büsewicht sieht den Abscheu der Weltnicht mehr; der Tod hat sein Ohr verschlossen; die Vorwürfeder Wahrheit dringen nicht in die Tiefe des Grabes zu ihm, undden Flüchen der Welt ist er entwichen, er vernimmt sie nicht.
Wie wird mir? Sollte ich nicht irre werden an der ewigenWeltordnung, welche nur den Tugenden die Palme des Siegesverheißen hat, während sich das freche und schlaue Laster damitschmückt?
Ich kann es mir nicht verbergen: oft, sehr oft erschüttertmich das unbegreifliche Schicksal der Menschen, welches durch-aus nicht immer mit ihren Tugenden und Lastern in einem ver-geltenden Verhältnisse steht. Und doch glaube ich an eine Tugend,die der Himmel liebt, und an das unausweichliche Verderben,welches den Thaten des Bösewichts auf den Fersen folgt.
Sehet da den frechen Betrüger, der mit schamloser Stirneden Biedermann heuchelt, und Wittwen und Waisen um ihr