309
44.
Des Sünders Triumph.
Lu k. 16, ts — 31.
Wie sollt' ich darum Unrecht thuit.
Weil der Verbrecher StrafenHier oft, wie ferne Wetter, ruhn,
Hier nicht ihr Haupt schon strafen?
Gott, immer bleibest Du gerecht,
Darum erinn're sich Dein Knecht,
Daß er der Sünde jittre.
Herr, diese Furcht ergreife mich,
Wenn mich Begierde locket,
Eh' meine Seele sorglos sichVerschlimmert und verstocket.
Zn Deinem Lichte, wo Du thronst,
Entdeckst Du künftig und belohnstUnd krönst Du gute Thaten.
Er schwelgt — der Gottvergessene! — Er schwelgt in den Freu-den , welche er mit dem Jammer manches Betrogenen erkaufte;spottet der Unschuld; nennt die Tugend eine ehrliche Thorheit,die Religion ein Gängelband des blinden Volks; sieht hohn-lachend nieder auf die, welche ihm wie gute Engel nahen undihn warnen; wählt sich Herzen ohne Grundsätze, ohne Treue zuFreunden des seinigen, und schaut mit siegerischem Blick vonder Höhe seiner Herrlichkeit umher, und fragt: Ist auch einGott?
Er schwelgt schadenfroh von der Beute seiner Laster, wie derunbestrafte Wolf im Blute des zerrissenen Lammes: Keiner wagtihn zu stören. Er ist zu mächtig, um den strafenden Blick desGerechten zu furchten ; zu arglistig, um der Schlauheit derBösen nicht auszuweichen ; zu klug, um nicht mitten in denWerken seiner Abscheulichkeit das Aeußerliche des guten An-standes und seiner Sitten zu beobachten. Die Sünde bestreutihm den Pfad des Lebens mit Rosen, und die böse Lust ver-breitet ein frohes Gefühl durch seine Brust. Er erreicht, waser will, und es bleibt seinen Wünschen kaum etwas übrig, alsbeständige Dauer des Genusses.