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42.
Ob unsere Tugend von Zeiten und Landes-sitten abhängig sei.
' Joh. S, ät. 12.
Wen Liebe Gottes und der PflichtZur Frömmigkeit nicht führet/
Erfreu' sich seiner Tugend nicht/
Der gar kein Preis gebühret.
Wenn Vorthril/ Sitte/ feiger SinnUnd Stolz ihm Gutes rathen:
O/ der hat seinen Lohn dahinFür seine guten Thaten!
Drum täusche niemals mich der Schein/
Und nie der Tugend Namen!
Gott sicht auf Werke nicht allein/
Er fragt/ woher sie kamen.
Ich darf mich Deiner Huld nur freu'N/
> Gott/ wenn mich Liebe dringet/
Und wenn aus Liebe nur alleinMein Gutesthun entspringet.
Unter vielen Christen herrschen sehr verworrene Vorstellungenvom Werth und Wesen dessen, was man Tugend nennt. Siesind dazu theils durch Mißverstand oder irriges und einseitigesAuslcgen einzelner, aus dem Zusammenhang gerissener biblischerSprüche verführt, theils durch Gewohnheit, Sagrnhören, odernatürliche Leichtsinnigkeit.
Einige behaupten und sprechen: „Rechtschaffen handeln, nütz-lich sein, Jedem das Seinige geben, das ist die beste Religion.Alles Uebrige ist Nebensache, und was man auch von Glaubenund Liebe viel vorsagt, ist Kopfhängerei und Frömmlerwesen."
Dergleichen Aeußerungen hört man oft von übrigens ach-tungswerthen, verständigen, rechtlichen Personen; und je mehrsie dieses Lob in der That verdienen, je gefährlicher sind ihreAeußerungen für Andere, die nicht Kraft genug haben, dasFalsche vom Wahren zu unterscheiden.
Rechtschaffen handeln, nützlich sein, Jedem das Seine geben,ist allerdings löblich, weil es nichts Böses ist; aber es ist keines-