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2 (1837) Andachtsbuch einer christlichen Familie
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beschönigen kann. Man spricht sie aus vor den Leuten, undbereut sie vielleicht im Gebete vor Gott. Denn das Gewissenredet auf ganz andere Weise in uns, und Jesus spricht: Wermein Diener sein will, der folge mir nach. Undwo ich bin, da soll mein Diener auch sein; undwer mir dienen wird, den wird mein Vater auch-ehren. (Job. 12, 26.)

Wie aber kann ich diesen Widerspruch zwischen meinem Wollenund meinem Thun aufheben? Wie soll ich als ein ChristaDas heißt, als ein Weiser, mit meinen GrundsätzenLastehen im Gedränge des gewöhnlichen Lebens?

Diese Frage ist eine der wichtigsten für unfern Geist, undZmeines ganzen Ernstes würdig. Denn wie ich sie mir beant-worte, entscheidet es für die Tugend und Glückseligkeit meines.ganzen Lebens. Allein die Beantwortung derselben ist nichtleicht, oder scheint es doch nicht zu sein. Denn woher stehennoch immer so viele Menschen mit sich selber im WidersprucheLei ihren guten Vorsätzen und bei ihren schlechten Thatcn?Woher käme es sonst, daß so wenige es recht anfangen, dieGrundsätze, welchen sie ihren Beifall nicht versagen können, imalltäglichen Leben anhaltend auszuüben?

Es kommt daher, daß unsere guten Entschlüsse, die wir inder Einsamkeit, im Gebete, in der Kirche, oder nach wichtigenLebensvorfällen fassen, mehr Wirkung von lebhaften Gefühlenfind, als Früchte reiflicher, kalter Ueberlegung. Wenn unserHerz erwärmt ist, dann scheint uns Alles leichter zu sein, alses nachher ist, wenn wir zur Ausführung kommen. Wenn wir-von starken Empfindungen bewegt werden, stellen wir uns inDer That die Welt ganz anders vor, als wir sie finden, wennwir nun mit kaltem Blute in ihr dastehen. Daher, sobaldunser Gemüth nach den ersten Aufwallungen wieder seine vorigeNuhe, seine gewöhnliche Stimmung zurückempfangen hat, be-merken wir, daß nicht Alles so gut ist, nicht Alles so geschehenkann, wie wir es uns vorgestcllt haben. Wir können die Weltnicht nach unfern Gefühlen richten, sondern wir müssen unsnach der Welt richten.