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2 (1837) Andachtsbuch einer christlichen Familie
Entstehung
Seite
365
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^rachen waren, verschworen feierlich bei sich diese Sünde. Sie-erkannten nur allzulebhaft, daß der Genuß, welchen die Er-füllung leidenschaftlicher Wünsche gewährt, nicht werth sei, daßman so viel Angst und Kummer deswegen nachtrage. Alleinsie böse Zeit ging endlich vorüber; man erholte sich wieder; manward wieder froh, unv siehe, man überließ sich unvermerkt wiederdem schädlichen Hange, wie vordem; man glaubte nur, manmüsse dabei mit größerer Klugheit verfahren, müsse verhüten,daß nichts übertrieben würde. Man blieb schlecht, wie vorher,und bereitete sich, trotz aller Klugheit, wieder trübe Stunden,-die man wohl hätte vermeiden können.

Viele, denen es um ihre Veredlung schon oft ernstlich zuHun gewesen, die in ihren Gebeten vor Gott, in ihren Ueber-legungen, wenn sie einsam waren, selbst wegen ihrer Verworfen-heit und innern Schlechtigkeit erschracken, konnten es nicht be-greifen, wie sie bei allem guten Willen nicht weiter kamen. Siewaren in der Einsamkeit die besten, wohlwollendsten Menschen;Aber sobald sie wieder unter andern Leuten einhcrwandeln, undsich mit ihrem Berufe, mit ihrer Wirthschaft, ihren übrigen Planen-abgeben mußten, wurden sie wieder ganz andere Menschen, undsie konnten es nicht dahin bringen, daß sie überall, zu allenZeiten gleich blieben.

Und wer hat dies nicht schon bei sich empfunden? Wer hat esnicht schon vielmals an sich erfahren, daß ein anderer Geist uns inder Einsamkeit, und ein anderer im Gedränge des gewöhnlichenLebens zu beseelen scheint! Seht nur die Sterblichen, wenn siem den Tempeln Gottes versammelt sind! Welche Ruhe, welcherErnst, oft welche heilige Ruhe und Andacht bei Allen! Wer sollteglauben, daß diese Herzen, welche hier einmüthig vor dem ewigenVater ihres Lebens versammelt sind, feindselig gegen einanderschlagen, soba/d die Schwellen des Tempels verlassen sind? Wersollte es glauben, daß eben diese Blicke, welche sich hier mit Demuthsvr dem Allgegenwärtigen senken, draußen im gewöhnlichen Lebenvoll Stolz und Lieblosigkeit auf Nebenmenschen niedersehen kön-nen? Wer sollte es glauben, daß eben diese Lippen, welche hierDie frommen Gebete flüstern, oder zu Gott in feierlichen Gesängen