beugen, wo ganze Heerschaaren, welche erobernd durch die Weltzogen, vor ihm anbetend in den Staub niedersinken würden.
Aber Jesus der Gottmcnsch, aus der Tiefe seiner irdischenNiedrigkeit, sah mit Hellem Blick in die Finsternisse einer tausend-jährigen Zukunft. Was damals kein Sterblicher auf Erden träu-men durfte, wußte er mit hoher Gewißheit. Er sagte es seinenschüchternen Jüngern voraus: Wenn kein Jerusalem, kein Tempelund kein jüdisches Reich und Volk mehr ist, dann wird noch meineLehre bestehen und siegend und glänzend aus dem allgemeinen Unter-gänge, aus der Zwietracht und Verwirrung aller Völker empor-steigen. Ja, sprach er, Himmel und Erde werden ver-gehen, aber meine Worte vergehen nicht! (Luk. 21,33.)
Muthig folgten ihm nun die Seinigcn, mit Glauben an seineerhabene Verheißung haltend. — Er sagte ihnen Schmach undElend vorher, kündete ihnen an, daß sie seines Namens willenvon allen Völkern gehaßt, daß sie ermordet werden würden.(Matth. 21, 9.) Doch dies erschütterte ihre Stärke nicht. Siefolgten ihm mit Entschlossenheit. Er hatte ihnen ja auch dieschönste der Verheißungen ertheilt: Wer beharret bis ans Ende,der wird selig!
Aber wie ward ihnen, als sie nun den göttlichen Prophetenaus ihren Armen gerissen und zur schändlichsten und martervollstenaller Todesarten hingeschleppt sahen! — Freilich, auch sich selbsthalte er dies schreckliche Loos vorher verkündet — er mußte denWelterlösertod sterben. Er mußte zur Begnadigung des Juden--thums und zur Erfüllung des mosaischen Gesetzes das letzte undköstlichste Opfer werden, welches sich für die Welt und zur Aus-söhnung ihrer Sünden hingab. — Wie ward ihnen, als sie ihnzwar wieder vom Grabe erstanden und unter sich wandeln sahen,bald bei diesem, bald bei jenem erscheinend, dann aber plötzlichverschwindend, den himmlischen Wohnungen zueilend, aus denensein Geist stammte? Wie sollten seine Weissagungen in Erfüllunggehen, da er nicht mehr mit ihnen war, und sie nun hilflos undschüchtern, gleich Fremdlingen, in der Welt allein standen? Unddoch hatte er gesprochen: „Himmel und Erde werden vergehen,aber mein Wort bleibet ewiglich!"