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2 (1837) Andachtsbuch einer christlichen Familie
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Lasier gefallen, das uns im gemeinen Leben oft genug Schadenbringt, und uns mitten unter unfern Blutsverwandten zu einerängstlichen Behutsamkeit nöthizt, als standen wir zwischen an-erkannten Verräthern! Selbst der offenbare Bösewicht, derRäuber, der Dieb freut sich am Menschen seines Gelichterswenigstens der Standhaftigkeit. Denn ohne diese kann er sichauf seine eigenen Raubgenossen nicht verlassen.

Und wenn wir gegen die Leute von wandelbaren Grund-sätzen auch nicht immer'Abscheu empfinden, so nähren wir dochgewiß gegen sie eine heimliche Verachtung. Wir bezeichnensie mit dem Worte: schwache, unsichere, karakterloseLeute. Man ist vor solchen mehr auf der Hut, als vor offenenFeinden. Denn von diesen weiß man, was man zu befürchtenhat, von jenen aber nicht, zumal wenn sie für den Augenblickunsere Freunde heißen. Ja, sie heißen nur Freunde, aber siesind es nicht; sie heißen ehrlich, brav, christlich, aber siesind es nicht. Denn wer darf auf Tugend, Freundschaft, Ehr-lichkeit und Christensinn dessen zählen, der mit seinen Vorsätzenalle Tage abändert und nicht einmal auf sich selbst zählen mag?

Empfinden wir nun mit Recht Verachtung gegen Menschen,welche uns durch wankelhaste Gemüthsart empören, heute so,morgen anders denken und reden; deren Grundsätze kein Jahr,oft keinen Tag, die gleichen sind: was müssen wir denn gegenuns selbst empfinden, wenn unser Gewissen uns sagt, daß auchwir zu denen gehören, die sich lieber nach dem Gebot und Vor-theil der Umstände, als nach dem Gebot der Pflicht und recht-licher Grundsätze richten? Verachtung unser selbst straft unsnach jeder falschen That unsers Wandelsinns; aber nicht minderauch die Ueberzeugung, daß andere Leute keine wahre Achtungfür uns hegen können, wenn sie uns gleich mit äußerer Höflich-keit begegnen, und es uns nicht merken lassen, wie wenig festesZutrauen sie auf unser Wort und auf die Denkart haben, die. wir heute auesprechen.

Und wahrlich, ein solcher Zustand ist Jedem, wer er auchsei, der unangenehmste. Denn die Verachtung der Mitbürgertragen, von ihrem Vertrauen verstoßen fein, ist schwer, zumal

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