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Noch lebe ich! spricht die zagende Seele, noch hier auf Erden!Vielleicht ist die Hälfte, vielleicht mehr als die Hälfte meinerStunden schon verflossen. Vielleicht nur noch wenige Jahre habeich zu athmen, auch nur Monate! — Was ich lebte, ist verloren?was ich noch leben werde, reicht es hin, um das Verschwundenezu ersetzen und einzuholen? Kann ich noch einen gewissen Gradvon Vollkommenheit erschwingen, der mich meiner selbst würdigmacht? Kann ich noch auf Gottes Barmherzigkeit und Gnadehoffen, die ich während eines ganzen Lebenslaufes gering achtete?Kann Gott noch mein Vater sein? Darf ich noch sein Kindheißen? Bin ich noch würdig, zu ihm aufzuschauen? Darf sichmein verworfener Geist noch anbetend seinem Throne nahen?
So jammert die Reue, und ihre Schwester, die Verzweiflung,heult: Nein! — Nein, du bist verstoßen vom Angesicht desAllerheiligsten. Wie darf sich der Unreine dem Ewigen nahen?Wie können deine Thronen die Sünden eines ganzen Lebens-laufes hinwegwaschen?
O Jesusreligion, o Tochter des Himmels, milde Trösterinverzagender Herzen, verlaß den Verzweifelnden nicht in derNacht seines Elendes! — Fester Anker im Sturm der Lebens-wellen, Helle Leuchte in der Finsterniß unsers Dasein, o Jesus-religion, verlaß uns nicht, wenn unser Muth bricht und die letztefreundliche Hoffnung ersterben will!
Nein, sie verläßt uns nicht. Nein, wenn uns nichts mehrhelfen kann, dann hat uns unser Glaube geholfen. Wenn nichtsmehr uns erquicken kann, dann erquickt uns noch das milde Wortdes ewigen Sohnes: Kommet her zu mir, Alle, die ihrmühselig und beladen seid, ich will euch erquicken!Nehmet auf euch mein Joch, und lernet von mir; denn ich binsanfimüthig und von Herzen demüthig. So werdetihr Ruhefinden für eure Seelen. (Matth. 11, 28. 29.)
Er ist wahrhaft unser ewiger Freund, unser Heiland undSeligmacher. Er ist's, der an feiner Hand den Sünder wiederversöhnend zum Vater führt und spricht: Alles, was ihr bittenwerdet in euerm Gebet, glaubet nur, daß ihr es empfangenwerdet, so wird's euch werden. Und wenn ihr dafiehet und nun