festen Willen an. Aber du hast dich nicht mehr in deiner Gewalt,»veil du schon heute nicht mehr den festen Willen fassen kannst.Versuche es heute, ob du noch nicht ganz verloren seiest, undwünsche dir Glück, wenn du es nicht bist. — Hast du heute eineGelegenheit, an einem verhaßten Menschen Schadenfreude zuüben, versucht und handle gütevoll für ihn, wie für einen deinerbesten Freunde. Lockt dich heute eine verführerische Stunde zurWollust, versuch's und opfere deine verbrecherische Neigung demGefühl des Edeln auf. Reizt dich heute ein Anlaß, dir auf un-erlaubte Weise Vc-.theile zu stiften, versuch's und entsage demZ veck, um des schändlichen Mittels willen. Treibt dich heuteWiderspruch, Beleidigung, Hohn zum Zorn, versuch's undbehaupte deine Gelassenheit, deine wohlwollende Freundlichkeit. selbst gegen den Fehlenden.
Was du heute vermagst, das wirst du morgen können; undrvas du heute beginnst, wirst du morgen leichter vollenden. —Und aller deiner Sünden, die du gethan hast, soll nicht gedachtwerden; denn du thust nun, was recht und gut ist, darum sollstdu leben.
Deine Schuld ist dir vergeben, sprach der Erlöser einst zumSander: gehe hin und sündige hinfort nicht mehr.Hier erkennen wir die mächtige Bedingung, unter welcher unsVergebung der Sünden zugesichert ist. Das Nichtmehrsündigenist die Wiederkehr zur Gnade.Gottes und zum Seelenfrieden.
Es ist eine der merkwürdigsten und darum unrichtigsten Vor-stellungen, welche man sich von Gott macht, wenn man ihmsmedle, menschliche Leidenschaften andichtet, wenn man sich ein-bildet, Gott zürne! — Nein, Gott zürnet nicht. Er sah unsereFehler, ehe wir sie begingen. So sicht auch ein irdischer Vater,wenn gleich nicht mit voller Klarheit, voraus, wie sein Kind oftfehlen werde. Aber nur der schwache Mensch zürnt; der Allcr-beiligste nie. — Könnten in der Gottheit menschliche Empfindungenstatt haben: so würden wir richtiger sagen, Gott habe Müleidenrmd bedaure den Sünder. Denn dieser hat immer Hoffnung zurVergebung, immer Antheil an der Gnade des Allvaters; aberer verschmäht sie. Der Mensch zürnt sich also durch die Bei-