Und Abraham ging, und war bereit, auch das schwerste allerOpfer zu vollbringen. Schon war der Altar bereit, schon branntedas Feuer, schon war das Opfermefser gezuckt; da tönte vomHimmel die Stimme: Lege deine Hand nicht an den Knaben undthue ihm nichts. Denn nun weiß ich, daß du Gott fürchtest, undhast deines einzigen Sohnes nicht verschonet, um meinetwillen. —Abraham glaubte dem Herrn, und das rechnete erihm zur Gerechtigkeit. (1. B. Mos. 15, 6.)
Die Geschichte der früher» Vorwelt hat eine eigenthümlicheErhabenheit. Auch ist der Name Abrahams nicht den Juden nuroder den Christen ehrwürdig geblieben, sondern noch heule ist erallen Völkern des Morgenlandes unvergessen und theuer. Araberund Juden, Perser und Syrier preisen in ihren Sagen undReligionen den tugendhaften Patriarchen. — Die Geschichte be-greift in sich eine der höchsten Lehren für die gesammte Menschheit:nämlich: Alles für Gott. Wer von uns ist solches Opfersfähig? Wer von uns hat schon die Tugend AbrahamS gezeigt:Alles für Gott, auch das Allertheuerste!?
Es kann freilich wohl Mancher in seinem Herzen sprechen:Wenn sich der Herr des Himmels und der Erden mir unmittel-bar offenbarte; wenn er auch das Liebste von mir forderte: ichwürde es ihm mit Abrahams glaubendem Heldenmuth zum
Opfer bringen.-Allein der Gedanke, o Mensch, ist noch weit
von der That, die bloße Erkenntniß und Liebe dessen, was frommund recht ist, noch weit von der Ausübung desselben! Warumbist du denn bei jedem Unglück, welches dich und die Dcinigentrifft, so ganz niedergeschlagen und untröstlich? Warum wirdes dir in diesen Tagen des Leidens so schwer, standhaften,männlichen Muth zu behaupten und dich mit ftster Zuversicht aufGott zugleich gefaßt zu machen auf jedes Schicksal, das dich nochtreffen kann? Jst's denn nicht Gott, der deine Verhängnissebestimmt? Jst's denn nicht derselbe alleinige Gott, welcher,den tugendhaften Abraham zu prüfen, seinen einzigen Sohnzum Opfer verlangte, und welcher jetzt, um deinen Geistesmuth,deinen Glauben zu prüfen, jeden Verlust, den du trägst, alsein Opfer begehrt?