Uebel, so schauderhaft auch die äußern Umstände oft zu seinscheinen. Sie redet zu den Lebenden, welche Zeugen der großenEreignisse sein müssen, welche die Nachrichten vernehmen müssen.Schreckhaft warnend steht vor ihnen die Macht des Allmächtigenund spricht: Warum verfolgest du mich?
Oft mitten im süßen Rausche irdischer Glückseligkeit über-rascht uns ein schweres Schicksal. Oft wird eben das, woranunser Herz am allerfestesten hängt, woraus wir unfern Abgottmachen, zuerst von uns abgerissen. Oft verliert der am erstensein Hab und Gut, oder doch den schönsten Theil desselben, wel-cher für nichts Anderes lebte, als großes Vermögen zu sammeln,um gute Tags zu leben; oft verliert der am ersten alle Ehre, der:n seinem Stolze jede höhere Pflicht vergaß, nur um Ruhm zusammeln, sich über seine Mitbürger zu erheben. Andere zu unter-drücken; oft verliert der am ersten durch die Gewalt des Todesseinen Freund, seine Gattin, sein geliebtes Kind, der in solcherLiebe am meisten vergaß, daß in diesem Leben nichts dauerhaft ist;daß man an nichts, als an die Tugend sein Gemüth fesseln soll;daß man im Irdischen nur dem Göttlichen leben müsse; daß nichtdas Irdische, sondern nur das Ewige, so im Irdischen wohnt,wahrhaftiger Liebe würdig sei. — Und aus dem zerstörten Glückscs Habsüchtigen, aus der Schmach des Hoffärtigen, aus denkodten Zügen des verstorbenen Geliebten spricht Gottes Stimme:Warum verfolgest du mich?
Wie? kann auch ein Sterblicher Gott verfolgen? Washeißt Gott verfolgen?
Wenn der Mensch einen seiner Nebenmenschen verfolgt, sogeschieht es, indem er von dem, was der Andere will und wünscht,das Gegentheil thut, dessen Absichten zu zerstören trachtet. Umgerätsene Kinder verfolgen ihre Aeltern, wenn sie denselben dieempfangenen Wohlthaten mit Undank vergelten; wenn sie denenmit Haß und Verachtung, mit Spott und Vergessenheit, mitruchlosem Sinn und Wandel das Leben verbittern, von welchensie das ihrige erhalten haben.
Nun ist es freilich wahr, daß wir Sterbliche Gott in derArt nicht verfolgen können, wie einen irdischen Menschen. Er