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2 (1837) Andachtsbuch einer christlichen Familie
Entstehung
Seite
215
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gestehen? Wie viele Jrrthümer, wie viele Grausamkeitenbegingen die Menschen schon im Namen der Religion?

Noch immer nicht ganz ist die Thorheit des Bekehrungseifcrsverschwunden. Können wir Andere von der seligmachenden Kraftunsers Glaubens überzeugen, so ist es wohlgethan. Aber dieUeberzeugung muß sich in dem, welchen wir belehren, freiwilligergeben; aufzwingcn läßt sich keine Ueberzeugung, oder sie ist esnicht mehr. Wer aber die Ueberzeugung hat, der reißt sichnicht mehr von ihr los, denn sie ist eins geworden mit seinemganzen Wesen. ^

Darum ist auch das leichtsinnige Uedergehen von einerReligion, oder von einer Kirche in die andere, allerdings zutadeln. Gewöhnlich liegt dem Umtausch des Glaubensbekennt-nisses irgend eine sehr weltliche Absicht zum Grunde. Man möchtesich ein Ansehen machen, oder eine Stelle bekommen, an welcherdas bisherige Glaubensbekenntnis hinderte; oder man hofft vonder Glaubenspartei, zu der man übertrat, mehr Unterstützungund leibliche Versorgung. Selten ist eine tiefe, innere Ueber-zeugung die wahre und dann allerdings achtungswürdige Ursachedes Uebertritts zu einer andern Religionspartei.

Der Triumph, welchen diejenigen haben, zu deren Kircheein Abtrünniger kommt, ist folglich sehr gering. Es ist nicht dieWahrheit, sondern ein geheimer Eigennutz, welcher inPersonen siegte, die entweder bei ihren alten Glaubensgenossennicht fanden, was sie wünschten, oder sich überhaupt in keineeingeführte Ordnung fügen mochten, oder bei ihren Glaubens-brüdern ein besseres Fortkommen hofften. Schon daß man solcheLeute noch in den Unterricht nehmen muß, um ihnen die Vor-trefflichkeit und den ganzen Inhalt des Glaubensbekenntnisseszu enthüllen, das sie annehmen wollen, beweiset offenbar dieUnlauterkeit ihres Beginnens. Denn warum ziehen sie ihrerbisherigen Religion eine andere vor, die sie noch nicht genaukennen? .Und wenn sie sie so kennen, daß sie dieselbe aus vollerUeberzeugung annehmen: wozu bedürfen sie denn noch des Unter-richts? Nein, ihnen ist alle Religion nur Spiel und Werkzeugzu niedrigen Vortheilen, nach denen sie gelüsten. Sie gehören,