fassen geheimen Argwohn gegen die Wahrheit der Christusreligion,weil sie sich von der Unwahrheit einiger Nebenlehren der Kircheüberzeugt zu haben meinen, und setzen Verdacht in die Offen-barung Jesu, weil sie gelesen und gehört haben, daß die Ver-künder Jesu oft so irreligiös als ihre Zuhörer waren. Und ihrselbst, geistliche Hirten, Seelsorger, Diener des Altars, Predigerdes Gekreuzigtes oder mit welchem Namen ihr euch schmücket,ihr selbst bestärket sie in ihrem Wahn und Abfall, wenn ihrunverhohlen euer Amt nur als ein einträgliches Erwerbsmittelbetrachtet, anders prediget und anders handelt; in der Gemeindeselbst das Beispiel der Heuchelei, der Habsucht, der Ueppigkeit,der Lieblosigkeit, des Ehrgeizes, der Verfolgungslust gebet, undThaten, wie diese, mit frommen Namen und Vorwänden um-mantelt; wenn ihre ohne Weihe, ohne inner» Trieb, ohne diesorgfältigste Vorbereitung den heiligen Lehrstuhl betretet; wennihr da lieber auf Besserung des Glaubens, als, wie Jesus, aufBesserung des Herzens dringet; lieber Glaubensstreitigkeiten an-- rühret, als einleuchtend zeiget, wie die christliche Tugend erworbenwerde, oder wie die Hindernisse zu beseitigen sind, welche es demMenschen oft erschweren, den Willen des Vaters im Himmelzu erfüllen.
Nicht geringen Antheil am Verfall der Religion hat über-haupt die unduldsame Neigung vieler Menschen,andere Religionsparteien verächtlich zu machen,und Glieder derselben zu verfolgen. Denn indemjede Partei fortfährt, der andern Jrrthümer vorzuwerfen, odereine wohl gar die andere verdammt, muß derjenige, welcherdiesen Streit mit einiger Aufmerksamkeit beobachtet, Verachtunggegen alle zugleich fühlen. Wie kann diejenige Religion göttlichenUrsprungs sein, die zur Ungerechtigkeit und Härte gegen Anders-denkende anfeuert? Ist denn Gott nicht ein Vater aller seinerKinder? Ist die Mangelhaftigkeit der Verehrungsarten, welcheseine Kinder ihm weihen, in seinen Augen ein Verbrechen, er,dem Jeder lieb und angenehm ist, der ihn fürchtet und recht thut?Hat denn Jesus seine Jünger zur Verfolgung der Juden auf-gemuntert, oder ihnen zur Ausrottung der Heiden ein Schwert