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jungen zur Schande, Menschenliebe zum Fluch, Barmherzigkeit'zum Spott geworden wäre. Waruni also jene falsche Scham-Hastigkeit in Angelegenheiten der Religion? Warum schüchternsein, zu bekennen: Ich thue dieses Werk, weil es meine Pflichtist, weil es Gott meinem Herzen gebietet, weil ich der Hoff-nungen der Ewigkeit sonst nicht werih sein würde! Ich bete,weil eine Unterhaltung mit dem höchsten Wesen mein GemütsVeredelt! Ich besuche den öffentlichen Gottesdienst der Christen,weil mein Herz zuweilen einer Erinnerung, einer Stärkung durchgöttliches Wort bedarf. Ich lebe so als Christ, als Kind Gottes,und will so leben, weil ich sterben werde; ich sterbe einst, weilich leben werde!
Nicht minder entsteht die Lauigkeit in der Religion aus derEinschläferungderSeeleindenGervohnheitendesalltäglichen Lebens und der übrigen Lebenssorgcn. Dennder Mensch, vom Morgen bis zum Abend mit seinen Amts-oder Hausbeschäftigunaen, oder mit Gedanken an seine Erwer-bungen und bevorstehenden Vergnügen, oder mit Verdruß übererlittenes Uebcl, oder mit andern kleinen vorübergehenden Zweckenumringt, vergißt im Gedränge derselben gar leicht sich selbst,und seine höhere Natur und ihren höhern Beruf. Er macht garzu leicht diese Nahrungssorgc, diese vorübergehende Freude oderTraurigkeit zu einer Hauptsache des Lebens, und die Religion,Dieses Leben, dieses Athmen seiner Seele, wird eine zufälligeNebensache. Er betreibt sie nur in Nebenstunden; cr liebtsie nicht, er lebt nicht in ihr. Er wird unvermerkt lau undnachlässig, statt tugendhaft nur klug, statt edel nur wohlanständigund gesittet. Er hält sich für einen Christen, ohne ein christliches,großes Werk zu thun.
Ich sagte, die Religion sei das Leben, das Athmen der Seele.Ja, sie ist es. Ein Geist ohne Jesu heiligen Sinn, ohne JesuGottesliebe, ohne religiöses Streben überall und jedcrze t, auchim bürgerlichen Leben, nach eigener Veredelung, ein Geist ohnebeständiges Schmachten nach gleichsam eigener Vergöttlichung,liegt, wie die Schrift sagt, in den Banden der Finsterniß, imSchatten des Todes. Er lebt nicht; nur sein Leib lebt, nur seine