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2 (1837) Andachtsbuch einer christlichen Familie
Entstehung
Seite
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rühmlichen Handlungen. Aber der Weise bedarf nicht desSporns der Ehre und Schande, um göttlich zu handeln. Erweiß, wie unzuverlässig das Urtheil der Menschen ist; er weiß,daß die Sterblichen oft das Schlechte ehren, wenn es nur glän-zend ist, und das Gute übersehen, wenn es sich in Bescheidenheitverhüllt. Er liebt die Tugend, weil kn ihr die Würde seinesunsterblichen Geistes besteht; er verabscheut das Böse, weil esböse ist, und ihn von Gott scheidet.

Der unwissende, rohe Sterbliche ist zwar nicht arm auFreuden aller Art; aber doch ist seine Glückseligkeit auf Erdenbeschränkt, wie seine Erkenntniß. Er kennt nur sinnliche Freuden,und schätzt sie höher, als die Genüsse des Geistes, für welche ihmgleichsam noch der Sinn mangelt. Er ist von den Vergnügungenirdischer Güter entzückt; köstliche Kleider, angenehme Speisen,kleine Ehrenbezeugungen erfreuen ihn über Alles. Der einsicht-vollere Mensch aber, und verschmäht er auch nicht die irdischeWonne, findet noch höhere Seligkeit in den Beschäftigungen deSVerstandes, in der Wirksamkeit seines Geistes, durch welche ergleichsam neue Schöpfungen hervorbringt oder entdeckt. Er siehtda die Wunder des wunderbaren Gottes in majestätischer Offen-barung, wo der Unwissende gleichgültig vorübergeht, wie Einer,der keine Augen dafür empfangen hat; er ist entzückt von derHerrlichkeit und Größe des ewigen Vaters, wo der unerleuchteteMensch knechtisch und voll abergläubigen Schreckens zittert.

So ist der Einfluß der Aufklärung auf die allgemeine undbesondere Glückseligkeit der Sterblichen offenbar und über jedenZweifel erhaben. Und sie muß es ja wohl sein. Denn sie istja in den Zweck unsers Daseins einbegriffen; sie ist ein Theilder Vollkommenheiten, nach denen wir, als unsterbliche Wesen,ringen sollen, und durch die wir Gott ähnlicher werden. Nichtden Körper können wir veredeln, er bleibt immerdar hinfälligerStaub, und in der letzten Lebensstunde schütteln wir diesesvergängliche Kleid ab; sondern den Geist, den unsterblichen,sollen wir, und ihn allein nur können wir veredeln, da erallein nur der Vervollkommnung fähig ist, und seine DauerEwigkeit heißt.