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Gestirn, welches, sich in einförmigen Bahnen bewegend, kaumdie Freiheit hat, wie ich, nur auf das Gedeihen und Lebenirdischer Dinge wirkt, aber auch dies nicht einmal ohne Beihilfeanderer Dinge? Wie sollte ich anbeten Thiere, die mir zwarnützlich sein mögen, aber vor meinem Drohen zittern, und durchsie Kräfte meines Verstandes geleitet werden? — Oder ist derMensch erhabener als sein Gott?
Göttlicher soll mich der wahre Glaube machen. Denkeich mir unter Gott das allervollkommenste, das allermächtigste,das allerunendlichste, das allerweiscstc Wesen, so erwarte ich,daß auch ich durch den von der Gottheit geoffenbartcn Glaubenmächtiger werde, nicht durch körperliche Kräfte, denn darinkönnen mich Thiere übcrtreffen, sondern durch den Geist;mächtiger selbst, als alle Gewalt des Staubes, als Hunger,Durst, als jede äußere Gewalt, als jede innere Leidenschaft —erst an dieser Hoheit meiner Seele erkenne ich ihre göttliche Kraft!Ich erwarte, daß ich durch meinen Glauben weiser werde, dasheißt, daß ich durch ihn lerne, Menschen zu beglücken, wie dieGottheit alle Wesen beglückt. Ich erwarte, daß ich durch meinenGlauben der Unendlichkeit, des ewigen Daseins fähig und würdigwerde. Denn mag irdische Vollkommenheit vergehen, geistigeVollkommenheit muß ewig sein, weil die Gottheit selbst ewig ist.
Ich würde sprechen: derjenige Glaube sei göttlich,der mit allen Forderungen der Vernunft und desVerstandes übereinstimmt, ja selbst die ihnen dunkelnRäthsel genügend auflöset. Denn wie könnte ich einen Glaubenfür göttlich halten, der zugleich unvernünftig wäre? oder daseine von Gott geoffenbarte Wahrheit heißen, worin ich einenUnsinn erblickte, welcher mir in menschlichen Dingen zuwider ist.
Zwar alle Menschen haben Vernunft, zwar alle haben diegleichen angebornen Gaben zum Denken; daher ist eine Mengevon Wahrheiten zu allen Zeiten, unter allen Himmelsstrichen,bei allen Menschen und unter allen Umständen wahr; daher gibtes gewisse Dinge, über deren Richtigkeit nie unter den Sterbrlichen Streit entstehen kann. Aber nicht Jeder hat die Kräfteseines Geistes gleich sehr geübt. Demnach, wenn irgend ein