Daseins recht innig froh werden, das können sie nicht. Dennfür sie ist kein allliebend?s Wesen, das sie Gott und Vater nennendürfen; für sie ist kein Offenbarer des Göttlichen im Geisterreich,den sie ihren Freund, ihr heiliges Vorbild, ihren Erlöser nennendürfen. Ihnen blüht im Schoost des häuslichen Lebens keinereine Freude; denn wer von ihren Herzen hinwegstirbt, der istfür immer von ihnen hinweggestnben. Aus den Fernen derEwigkeit lächelt ihnen kein Strahl der Hoffnung und Liebe; derSehnsucht ihres Gemüthes widerspricht ihr thörichtes Vermuthendes Unmöglichen; die Weltordnung liegt vor ihnen zerrissen, derEinklang ihres Geistes mit den Wundern der Natur ist gestört,für keine ihrer Freuden gibt es Dauer, für keine ihrer Schmer-zen Trost.
Kann der Aberglaube mit seinen Hirngespinnstcn und ein-gebildeten Schrecken den Sterblichen wohl jemals schrecklicherfoltern, als der Unglaube mit seinen eingebildeten Vermuthungenund innern Widersprüchen? Nicht bloß Lebenslust und Familicn-glück vernichtet die Irreligiosität, sie zerstört das Wohl der ganzenbürgerlichen Gesellschaft. — Wer in sich selbst keinen Friedenfindet, sucht den Zweck seines Lebens zuletzt im äußern Genuß,und meint sich schon glücklich, wenn er seinen Gram um dasVerlorne zerstreuen kann. Wer keine Ewigkeit hat, lebt für denTrauni des heutigen Tages. Wer von keiner Gottheit weiß, be-freundet sich mit dem, was im Irdischen einen Ersatz leisten mag.Wer an der höhern Bestimmung seines Geistes irre geworden: wassind Tugend, Aufopferung, Redlichkeit für den ? — Die Religionist ihm ein Mährchen, ihr Verehrer ein Heuchler oder Schwär-mer; das Leben hat für ihn keinen Werth, als Befriedigungschnell absterbender Begierden; die Welt ist ihm kein Heiligthummehr. Alles, was groß, was ehrwürdig heißt, ist ihm verschwun-den, ist bloße Täuschung. Er lebt nicht für Gottheit, Ewigkeitund Menschheit, sondern nur für sich. Der eigene Vortheil istsein Gott; und Kirche, Vaterland, Mitbürgerschaft, Ehre,Schande, Tugend, Laster sind nur Mittel für seine Selbstsucht.
So steht er einsam, losgefallen von allem Geliebten undHeiligen; nur durch thierische Bedürfnisse, nur durch Furcht an