Ver Dinge; wir sehen durch die unendlichen Fernen des gestirntenHimmels nur einen geringen Theil vom Tempel des Allerheilig-sten, und entglühen vom Entzücken, durch Gottes Macht ge-würdigt zu sein, Bewohner dieses Gottesreiches zu heißen.
Und frohe Ahnungen durchzittern unsere Nerven. Einehimmlische Freudigkeit durchringt unsere ganze Natur. — Diesist die Kraft des Gebetes. Dies ist Wirkung der NäheGottes. Es redet Niemand mit Gott, ohne Sclbstverklärungseines Gemüthes.
Wenn das Kind dankbar die Hand des Vaters oder derMutter küßt, so drückt es seine schönsten Gefühle auf menschlicheWeise aus. Gott schuf mich, und gab mir das Loos einesSterblichen: warum soll ich mich über meine von ihm gegebeneNatur hinwegschwingeu und ihn nicht nach reinmenschlicher Weisevoll kindlichen Sinnes verehren? Würdigt seine Gnade mich einsteiner größern Vollkommenheit, o so werde ich ihn als Engel, alsSeraph, als Genosse einer schönern Welt auf andere, auf edlereund würdigere Weise anbeten können. Aber ich bin Mensch, binin seinen Augen nur ein lallendes Kind — o ihr Spötter, solasset mich ineinen Schöpfer, ineinen Vater, als Kind, durch diesunmündige Lallen der Menschheit verehren. Er hört auch diesLallen, er kennt auch den Sinn der stummen Thräne, die meinenAugen entrinnt, indem sie ihn suchen. Versteht doch die liebendezärtliche Mutter auch das erste Lächeln ihres Säuglings!
So im Gebete ihm ganz hingegeben, fühle ich mich gleichsam,wie das Kind an des Vaters gütiger Brust ruhend. Ich fürchtenun kein Schicksal mehr, denn ich bin bei ihm; ich fürchte keineFeinde mehr, denn er liebt mich. Ich wandle durch die Welt miteinem höhern Vertrauen. Dies ist die Kraft des Gebetes.
Und wenn ich mich voll Inbrunst nun dem Allerheilig-sten nahe, dem sich nur das Heilige und Sündenreine näherndarf, so erscheinen alle meine begangenen Fehler, meine Ueber-eilungen, meine Leidenschaften, und drängen sich zwischen michund Gott. — Ach, zu ihm reden möchte ich, und ich bin nichtwürdig, zu ihm aufzuschauen. Der Sünder trauert z-u denFüßen des Mbarmherzigcn, und fleht nur um Gnade. Heilige,