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Nicht um der Menschen willen, damit sie dich für einenguten Christen, für einen guten Bürger, für einen rechtschaffenenHausvater, für eine musterhafte Hausmutter halten. Elender,der du betest, um vor Menschen einen guten Glanz zu haben,ohne der Würde und der Wichtigkeit des Gebetes zu achten —du bist ein frevelnder Heuchler, der mit dem Allerheiligsten derReligion falschen Handel treibt, und Gott selbst zum Werkzeugdeiner nichtswürdigen Absichten erniedrigen möchte; dir gelten! Jesu Donncrworte, die er einst über die betenden Pharisäer rief.
Nicht um der Gewohnheit willen, weil Alles betet, weil^ du als Kind Gebete lerntest, weil du von jeher im Gebrauch
hattest, zu gewissen Zeiten des Tages ein gewisses Gebet herzu-sagen, weil du die Uebuug deiner Aeltern und Vorfahren, welcheh du so schmählich mißverstanden hast, beibehalten möchtest. Dein
^ Gewohnheitsgebet ist kein Gebet, das vor Gott gilt. Dein Gc-wohnheitsgebet ist leerer, seelenloser Wörterschall, der von denLippen in die Luft fährt, und in der Luft vergeht. — Bete nicht* dein Gewohnheitsgebet, und erspare dir ein vergebliches Bemühen,welches Gott nicht angenehm ist, und dich selbst entehrt. Wagstdu es, deinen irdischen Vorgesetzten, deinem Oberherrn, deinemFürsten, oder nur Menschen Deinesgleichen, Worte herzuplappern,in denen kein Sinn ist, bei denen du nichts denkest? Wie, unddu wagst es, so im Geiste dem Throne des Allmächtigen nahe zutreten, und Sprüche herzusagen, ohne weiter an ihren Inhalt zudenken? Wenn du betest, sagt Jesus, sollst du nicht viel plappern,wie die Heiden, die da meinen, sie werden erhört, wenn sie vielWorte machen. (Matth. 6, 7.) — Nein, nur das Gebet,welches aus der innersten Tiefe eines bewegten, andachtvollenHerzens quillt, nur dies Gebet dringt durch den Himmel.
Warum soll ich beten?-Nur um deinet-
willen, und daß Lu die beseligende, überirdischeKraft des Gebets an dir selbst empfindest.
Auch der edelste Mensch, auch der Einstchtvollstc, der Auf-geklärteste der Sterblichen bleibt, so lange sein Geist in dieserStaubeshüllc wohnt, ein schwacher Sterblicher. Es ist ihm un-möglich, sich immerdar, oder auch nur für lange Zeit, in der