selbst alle Priester nachher für heiligere Personen geachtet, weilnur ihnen der Gang in das Allerheiligste der Tempel gestattet war.
Ich weiß gar wohl, daß jener Glaube der Alten heutigesTages von denen als ein frommer Aberglaube verlacht wird, diesich klüger zu sein wähnen. Ich aber finde darin eine Wahrheit,die durch kein Spötteln vernichtet werden kann. Ja, es ist gewiß,die weisesten und erhabensten Menschen der Vorzeit pflogenUmgang mit Gott. Dieser Umgang mit Gott aber machte sieerst erhabener, weiser, vorhersehender, muthiger und unüber-windlicher , als es Andere sein konnten. Und das ist das Herr-liche, was Jesus Christus, im ununterbrochenen Umgang mitGott, auf Erden stiftete, daß er alle Menschen zu Priesterndes Höchsten machte, sie alle in den Umgang mit der Gottheiteinweihte, um sie alle zu hohen und weisen Menschen zu machen.Aber es ist kein irdischer Umgang mit der Gottheit möglich:denn Gott ist nichts Irdisches. Gott ist ein Geist. Daher stehtnur unserm Geiste der Zutritt zur Gottheit offen. Das Gebetdes Geistes zum allerhöchsten Wesen ist der Umgang mit demselben.Selbst wenn Menschen mit Menschen umgehen, geschieht cs wenigerdurch die äußern Sinne, als durch gegenseitige Mittheilung ihrerGeister, das heißt, durch gegenseitige Mittheilung ihrer Gedankenund Empfindungen.
Ich weiß gar wohl, daß heutiges Tages Viele sind, denendas Gebet etwas Ueberflüssiges zu sein scheint; die nicht betenmögen, weil sie sich nicht selbst für Frömmler halten wollen;die das Beten nur für eine ganz gute Sache für Leute vonbeschränktem Verstände, oder gar nur für eine Art des Gewerbesgeistlicher Personen ansehen. Warum denn beten? sagen sie;mein Gebet ändert im Laufe der Begebenheiten gewiß nichtdas Geringste ab. Was die göttliche Weisheit angeordnet hat,erfolgt, und ich werde es mit allem Bitten um das Gegentheilnicht ändern. Was mir nöthig und nützlich ist , verleiht Gott,ohne mein Fordern; er weiß es vorher, ehe ich ihn darumanrufe. Mein Rath, meine Lehre hat auf den ewigen Rath derVorsehung keine Kraft. Die unnennbare Güte Gottes gewährtmir auch das Gute, wenn ich schon nicht darum bitte.