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2 (1837) Andachtsbuch einer christlichen Familie
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Mangel der Andacht bei ihren Zuhörern ist gewöhnlich eben sooft eine Selbstanklage der unzufriedenen Lehrer. Denn sie gebendadurch zu erkennen, daß es ihnen entweder am erforderlichenEifer und Fleiß, oder an den nothwendigen Gaben ihres wichtigenBerufes gebricht, durch Lebendigkeit, Klarheit, Würde und ein-nehmendes Wesen ihrer Rede die Aufmerksamkeit der Gemeindezu gewinnen, festzuhalten, und zur ganzen Höhe ihres Gegen-standes zu erheben.

Die Andacht ist eine freie Aeußerung und Handlung desHerzens, wie die Liebe, wie die Hochachtung. So wenig sich dieLiebe durch Befehl erzwingen läßt, eben so wenig die Andacht.Du kannst deinen Kindern befehlen, Stille zu beobachten, schwei-gend und mit gefalteten Händen vor sich hinzublicken, auswendiggelernte Gebete herzusagen: aber was sie dabei fühlen, woransie bei den alltäglich gewordenen Worten denken, das kannst dunicht wissen, das kannst du nicht erzwingen. Es gehört zurwahren Andacht eine ganz andere Vorbereitung des Gemüthes.

Aus diesem Grunde ist allerdings der, wenn gleich wohl-meinende , doch blinde Eifer solcher Obrigkeiten keineswegszweckmäßig, welche ihren Unterthanen bei Strafe gebieten,in die Kirche zu gehen, das heilige Abendmahl regelmäßig zugenießen, die Beichte fleißig zu besuchen, oder nicht bei andernkirchlichen Hebungen zu fehlen. Damit wird keine Religion oderReligiosität, sondern die Heuchelei befördert, die dem Herrn einGräuel ist. Erzwungener Dienst ist kein Liebesdienst. Nichtdies Geplärre, nicht dies äußerliche Andächteln fordert der Herr.Das ist das Volk, von dem er spricht: Es nahet sich zu mirmit seinem Munde, und ehret mich mit seinen Lippen, aber seinHerz ist fern von mir!

Nicht erkünstelt, auch nicht erzwungen kann die Andachtwerden, sondern sie muß frei hervorgehen aus dem Gemüth.Sie geht aber freiwillig hervor, wenn das Gemüth vollnatürlicher Ehrfurcht und inniger Liebe zum Aller-höchsten ist. So hört der Untergebene seinen Vorsteher auf-merksam an, den er wirklich schätzt; so blickt der Unterthanmit Ehrfurcht auf seinen Fürsten, von dem er weiß, daß er