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sind, beherrschen dann unwillkürlich unser ganzes Inneres.Daher ist Andacht jene feierliche Stimmung des Gemüths, inwelcher jeder weltliche Gedanke verschwindet. Die Stufe derhöchsten Andacht aber ist die stille Entzückung des Gemüths, inwelcher sich das Antlitz des betenden Jesus verklärte, oder derbetende Stephanus voll heiligen Geistes gen Himmel aufblickte,und die Herrlichkeit Gottes empfand, während ihn das Volksteinigte. (Ap. Gcsch. 7, 55 — 59.)
Diese Andacht, wie Jeder von selbst fühlt, wird nun imMenschen auf keine Weise durch Künstelei hervorgebracht. Mögetihr doch Betstunden halten, oder den Rosenkranz durch die Fingerwinden ; möget ihr die Hände falten, oder gen Himmel heben;möger ihr auf den Knien liegen, oder auf dem Angesicht ; mögetihr betend das Gesicht verhüllen, oder den Kopf entblößen,— diesAlles bringt keine Andacht hervor, wenn es gleich ein Erinnerungs«mittel ist, andächtig zu sein, oder zuweilen eine Wirkung derinnerlichen Andacht auf die Außenseite des Körpers ist, um jedeZerstreuung von sich abzuwehren. Von innen heraus muß dieAndacht wirken, von außen herein erkünstelst du sie nicht. Der-gleichen äußerliche Gebräuche, obwohl sie nicht die wahrhafteAndacht erzeugen, noch statt der Andacht selbst gelten können,sind darum aber keineswegs zu tadeln, sondern ganz löblich.Sie mahnen besonders, wenn man in großen Versammlungenden Zweck hat, Gott zu verehren, an das, was geschehen soll;sie verhindern durch ihre gewohnte Einförmigkeit jede nachtheiligeZerstreuung, welche in zahlreicher Gesellschaft möglicher ist, alsin der Einsamkeit. Ja, da bei uns Menschen das von den Sinnenempfundene Aeußerliche großen Einfluß auf unser Gemüth hat,ist eS allerdings zu glauben, daß solche äußere Anständigkeit,ohne eben die Andacht zu erzeugen, doch das Herz zu derselbenvorbereitet und geneigt macht.
Ist nun gewiß, daß sich die wahre Andacht nicht erkünstelnlaßt, so ergibt sich, daß sie noch weniger erzwungen oder befohlenwerden kann. Der Befehl: sei andächtig! ist daher eitel und thöricht,sobald das Herz selbst zu dieser erhabenen Stimmung entwedernicht geneigt vver unfähig ist. Die Klage vieler Prediger über