Druckschrift 
1 (1837) Andachtsbuch einer christlichen Familie
Entstehung
Seite
479
Einzelbild herunterladen
 

strömende und bewegende Naturkraft denken. Alle Kräfte derNatur, welche wir außer uns bemerken, wie wunderbar sie auchdurch einander treiben, sind der sich durch das Weltall schwingen-den denkenden Kraft des menschlichen Geistes noch lange nichtgleich. Der menschliche Geist, frei wollend, frei wirkend, be-trachtend, kann, wenn er will, erhabener als die Gewalt derNatur, erhabener als das Schicksal der Natur sein. Machet ihrnun die Kräfte der Natur oder das Schicksal zum Gott, so ist oftder menschliche Geist erhabener, als euer Gott. Dieses Jrrthumswaren einst und sind noch die heidnischen Völker wie ist eureWeisheit von ihrem Jrrthum verschieden?

Du bist der wahre, lebendige, allein heilige Gott, mein Gott,von Ewigkeit zu Ewigkeit! Dich begreift nicht der Wurm desStaubes, nicht der erhabenste Menschengeist, nicht der Seraph!Wie könnte ich, der ich mir selber noch ein dunkles Räthsel bin,Dich, Unendlicher, erforschen, und Deine Beschaffenheit ergrün-den ? Jene Sonnen, jene Monde, jene Erden, alle die UngeheuernWeltkörper, welche in den unermeßlichen Himmeln mir aus un-zuberechnenden Fernen wie kleine Sterne funkeln, und alle, derenDaftin sich in noch weitern Fernen dem menschlichen Auge ent-zieht sie mit ihrer Pracht, mit dem Wundcrreich ihrer Kräfte,allgewaltiges, heiliges Wesen, sind Staub vor Dir. Du schufestsie aus dem Nichts zum Dasein. Ich kann ihre Menge nicht mitdem kühnsten Gedanken umfangen. Herr, Herr, wie ver-möchte ich den zu erkennen, und in einer Vorstellung zu fassen,der diesen Staub ins Dasein rief?

Urgeist der Geister, lebendiger, wcltbescligendcr Gott, zuwelchen: Jesus mich den Vaternamcn mit kindlichem Vertrauenstammeln lehrte! so will auch ich Dich anbetcn im Geiste undin der Wahrheit. Aber immer, wenn mein Gedanke sich cmpor-hcbt zu Dir, und das Hochherrliche Deiner Macht und Weisheitund Güte mich ergreift, und meine Seele in Schauern des Ent-zückens zittert immer verschwindet das Wort ich bin zuschwach mein Gebet wird zur verstummenden Ehrfurcht.