Wahrlich, Gottesverehrungen, wie diese, sind öffent-Lche Gottesverspottungen zu heißen. Es wäre besser, siewürden nicht sein. Sollen wir es tadeln, wenn in Dörfern,wenn in Städten zuweilen ganze Familien sich unter solchenUmständen vom Besuch der Kirche zurückzichen, und lieber Haus-Lche Andacht pflegen? Haben die Obrigkeiten ein Recht, Familienzu zwingen, in andachttödtende Versammlungen zu gehen undden elenden, unüberlegten, zusammenhanglosen Wortkram einesGeistlichen zu hören, der seinen Pflichten kein Genüge leistet?Haben diese ungetreuen Lehrer und Seelcnhirten ein Recht, überVerfall der Religion, über schlechten Besuch der Kirchen zu klagen,da sie es doch selbst sind, welche die Kirchen veröden, und dieStunde der Andacht zur Stunde der Langeweile und Plagemachen? Sie jammern thöricht über die nachtheiligen Folgen derAufklärung, und eifern wider das Umsichgreifen weltlicher Weis-heit: aber warum schreiten auch sie nicht fort in Erkenntniß«nd in der Kunst, ihre Erkenntniß dem lernbegierigen Volke mit-zutheilen? Warum treiben sie ihr heiliges Geschäft ohne An-strengung, ohne Innigkeit, gleich dem Handwerker, der einförmigeArbeiten verrichtet, und dazu keines Nachdenkens bedarf?
Besser keine Gottesvcrehrungen, als sein sollende Gottes-Verehrungen so unwürdiger Art! Jesus trieb die Wechsler undKrämer aus dem Tempel des Herrn, und sprach: Es stehetgeschrieben: mein Haus soll ein Bethaus heißen; ihr aber habeteine Mördergrube daraus gemacht. — Und würde er durch dieihm geweihten Kirchen mancher Gemeinden unserer Tage wandeln,dürften wir hoffen, ein gnädigeres Urtheil zu empfangen?
Der wirkliche Verfall des öffentlichen Gottesdienstes in vielenGegenden, das Zurücktrcten vieler Personen vom Besuch derKirchen, ist in der That weniger den Fortschritten der sogenanntenAufklärung des Volks zuzuschreiben, als dem Mangel der Fort-schritte vieler Geistlichen in ihrer eigenen Ausbildung und Ver-vollkommnung zum Beruf, so wie der allzuwenigen Sorgfalt,welche man von Seiten der Gemeinden, der Obrigkeiten, derKirchenvorstehcr und Geistlichen auf Anstand, Würde undFeierlichkeit bei öffentlichen Gottesverehrungen verwendet. Es