Druckschrift 
1 (1837) Andachtsbuch einer christlichen Familie
Entstehung
Seite
446
Einzelbild herunterladen
 

Aber obgleich unbekannt mit unfern heutigen Künsten und Wissen-schäften, diesen Früchten vieltaufendjährigen Erfahrcns und Nach-denkens, hatten sie doch von den höchsten Angelegenheiten desMenschen schon würdige Vorstellungen. Sie kannten die Gesetzeder Natur auf Erden und die des Himmels, nach welchen sichdie Gestirne in unabänderlichen Bahnen bewegen.

Die Menschen mehrten sich, und wandelten aus nach allenRichtungen; denn Gott wollte, der ganze Erdboden sollte vonihnen bewohnt und angebaut sein. Je weiter sie sich von denursprünglichen Wohnsitzen ihrer Väter entfernten, je mehr siemit dem Ungestüm der Elemente oder dem unfruchtbaren Erd-strich zu kämpfen hatten, je mehr schienen sie zu verwildern.

Gott gab ihnen eine strenge Erzieherin es war die Noth.Die Noth lehrte sie erfinderisch werden, das Nützliche entdecken,wo cs verborgen lag, und Kräfte in sich entwickeln, deren Da-sein sie selbst vorher nicht kannten.

. Und was die Väter in Einfalt ersonnen hatten, vervoll-kommnten die Enkel. Die Weisheit der Vorfahren ging vonSage zu Sage über zu den Nachkommen, und von diesen mitBereicherungen an die Kinder, also, daß in unfern Tagen selbstdie Unwissendsten kennen und gebrauchen im alltäglichen Leben,was vor Jahrtausenden noch ein seltener Schatz, oder einGegenstand des Erstaunens für die Könige und die Weisen desVoiks gewesen.

Wenn ein Reich in den Künsten des Friedens aufgcblühtwar, prangte es in der Herrlichkeit seines Rcichthums. Aberder Glanz der Reichen erregte dann den Neid der Aermern; ihrUebermuth weckte den Widerstand der Unterjochten; der Verfallihrer Sitten durch Wollust und Prachtaufwand bewirkte dieSelbstsucht aller Einzelnen im Lande, und damit die Auflösungd.s Ganzen. Dann stürzten aus unbekannten Ländern wildeVölkerschaften kriegerisch herbei, und bemächtigten sich der wohl-feilen Beute. Die Barbaren, erwacht durch den Zauber derSchönheit, der Wissenschaft und des Reichthums, schämten sichihrer unbehilflichen Rohheit. Sie nahinen am Lichte der lieber«wundenen Theil, und klärten ihren eiaenen Geist durch die Kennt-