Jedes harte Erziehungsmittel ist immer eine Strafe. Nicht jedesUnglück eines Volkes ist ein Gericht des Zorns wegen seinerSünden; nicht jeder Sieg, welcher die Heerschaaren begleitet,eine Belohnung ihrer Tugend und Gerechtigkeit.
Wohl werden die Schicksale der Volker freilich meistens vonihnen selbst vorbereitet. Es ist gewiß, so wie ein einzelner Menschsich durch Wollust entnervt, durch Treulosigkeit und Hinterlistrrm das öffentliche Zutrauen bringt, durch Ueppigkeit verweichlicht,daß er von jedem rauhen Lüftchen erkrankt: daß eben so ein Volkdurch Selbstsucht, Erschlaffung, Verzärtelung und Mangel anEintracht seinen Untergang befördert. Wie der einzelne Mann,so soll ein ganzes Volk enthaltsam, gerecht, stark und hart erzogensein, um jedem Sturm zu widerstehen. Doch dürfen wir unsnicht verhehlen, daß Unglücksfälle auch den Tapfern so gut wieden Feigen zu Boden reißen können; daß oft weniger die Völke>-,-als ihre Fürsten, die Gefahren des Krieges herbeirufen, unddaß endlich nicht die Fürsten, sondern die Gewalt der Umstände,sie zum Kriegen zwingt. — Diese gebieterischen Umwände sindaber nicht immer das Werk der Könige, die heute leben; sondernein Erzeugniß und Folgen von den Handlungen derer, die oftlängst verstorben sind. Und daß diese das Unheil ihrer Nach-kommen verursachten, war weniger ihr Wille, als vielmehr, daßsic nicht die Millionen möglicher Ereignisse der Zukunft alle vor-aus wissen und berechnen konnten, und ihrerseits schon damalsoft den: Drang von Umständen nachgeben mußten, welche einerinerwartete Wirkung früherer Begebenheiten waren, die keines-wegs in ihrer Gewalt lagen.
So ist denn der Faden der Welt- und Völkerschicksalewelcher sich von Jahrhundert zu Jahrhundert fortspinnt, nichtDer Fürsten oder der Völker Werk — sondern wir erkennenüberall Gottes Finger an demselben.
Ehre die Schicksale, welche Gott sendet; dennwas er thut, ist wahrlich wohlgethan. — Auch wasuns das Entsetzlichste zu sein scheint, es ist wohlgethan. Wirthun wohl, zu sagen: was das Entsetzlichste zu sein scheint;denn nicht Alles i st, was es scheint. Wahr ist es, jeder Krieg