Unannehmlichkeiten versöhnen, die leichter wegzuwünschen alsauszurotten sind. Verkleinere wenigstens nicht den Werth deinesVolkes, den es in der Thal hat, und raube ihm nicht das Ver-trauen auf sich selbst« Eine Nation, welche Glauben undZuversicht zu sich verloren hat, ist unter allen die elendeste, weilsie sogar den einzigen Stab verloren hat, an welchem sie sichaus ihrer Versunkenheit wieder aufrichten könnte.
Suche vielinehr alles Lobenswürdige aus, was je deine Lebens-genossen in früher» oder spätern Zeiten aus eigener Kraft voll-bracht haben; mache dich vertraut mit einzelnen Vorzügen deinesStaates und der Denkart deines Volkes. Und dies Rühmlichebemühe dich liberall geltend zu machen. Dadurch flöße deinenMitbürgern Vertrauen auf sich selbst, innigere Liebe zu ihremGemeinwesen und zum gesaminten Vaterlande ein; dadurcherwecke in ihnen jenen edeln Stolz, der sich schämt, etwas deinRuhme des Volkes Unwürdiges zu thun. Dies ist der ächteNationalstolz; der Stolz, welcher auch der Tugend erlaubt ist,indem sie Hochachtung für sich empfindet, und nicht unter ihreerrungene Höhe niedersinken möchte.
Sei gerecht gegen dein Volk; verkleinere nicht den Werthdesselben, weil es vielleicht nicht alle Vorzüge anderer Nationenbesitzt. Erhebe und rühme nicht andere NationenaufUnkosten dein er eigenen. Denn jede hat ihre bcsonrdern Vortheile ulid Eigenheiten; auch die deinige. Es können,cs sollen nicht alle die gleichen sein, so wenig, als alle Pflanzenund Blumen von einerlei Art, oder alle Menschen von einerleiAnlagen und Eigenschaften sind.
Die traurige Sucht, alles Ausländische zu preisen und herrlichzu finden, oft nur schon darum, weil es ausländisch ist, kannmit Recht als eine Vorbotin der innern Volksverschlechtcrungllnd des nahen Verderbens angesehen werden. Die Erfahrungbezeugt dies. Denn ungerechnet, daß damit der Gemeinsinngelähmt und hoffnungslos, die Vaterlandsliebe vernichtet, dasVertrauen des Volks auf eigene Kraft und eigenen Werthgebrochen wird, verleitet solche thörichtc Verehrung alles Aus-ländischen leicht zur Nachäffung alles Ausländischen. — So wie
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