Druckschrift 
1 (1837) Andachtsbuch einer christlichen Familie
Entstehung
Seite
371
Einzelbild herunterladen
 

371

Hause gilt Reinlichkeit für Pracht, Ordnung für Kostbarkeit.Er will gesunde Nahrung; keine Nascherei, kein Schwelgen.Er gönnt dies niedrige Vergnügen thicrisch verwöhnten Men-schen. Andere haben vielleicht mehr Vermögen, als er; den-noch ist er reicher, als sie. Denn weil er weniger bedarf,bleibt ihm immer ein Ueberfluß. Jene, die vieles zu ihrem Auf-wände nöthig haben, können nichts entbehren. Er ist reicher,als sie, und hilft Mitbürgern, wo es noth thut; Jene könnenes nicht. Er unterstützt mit den:, was ihm entbehrlich ist, jedesgemeinnützige Unternehmen, oder was seiner Stadt, seinemVaterlaiide ehrenvoll ist. Er weiß, er bekennt es gern: was erhat, das hat er durch sein Vaterland, durch Gott;er weiht einen Theil des Seinigcn dem Vaterlande und Gottwieder! Er zeigt seinen Reichthum, wie Jesus einst denfeurigen zeigte. Der Goitmensch lebte in hoher Sittcneinfalt,ohne äußeres Gepränge; aber Tausenden, Millionen that erBarmherzigkeit. Ihn schmückte nicht Gold und Purpur, aberKönige empfingen Seligkeit von ihm. Ihn sah man nie bei glän-zenden Gastmählern schwelgen; aber Tausende sättigte er. Undals die Welt ihm voller Undank Alles entriß; als ihm Freundeund Verwandte, als ihm Freiheit, Obdach und Kleider geraubtwaren; als ihm in den letzten Lebensstunden menschliche Grau-samkeit sogar den Tropfen kühlen Wassers versagte, seine leclpzende Zunge zu netzen als ihm nichts mehr gehörte: da gaber am Stamme des Kreuzes noch sein Blut hin für die Selig-keit des menschlichen Geschlechts!

Einfalt der Sitten soll auf Einfalt des Ge-müthes gegründet sein; nicht bloß Ziererei, sondernimmer eine schöne Wahrheit, nicht bloß ein Deckmantel dessparenden Geizes, oder der Ruhmliebe, sondern lebendigesGefühl. Denn nur ein unv-'rdorbenes, reines Herz liebt wahr-haft unverdorbene, reine Sitten; nur ein edles Gemüth schämtsich des Prangcns, des Zurschautragcns, des Gern - und Viel-scheinens; es zeigt sich lieber selbst.

Schlecht und recht leben" war einst der Wahlspruch unsererVäter, als Sitteneinfalt noch ehrwürdig war; das heißt: man