das heisst, zeige entschieden durch Denkart, Wandel und That,daß du des Göttlichen Nachfolger seiest; so wird auch er dicheinst bekennen. Verleugne ihn nicht; er wird dich auch nichtverläugnen. Der Reue heiße Thräncn, welche Petrus weinte,als er in jener Schreckensnacht seinen verrathenen Freund ver-läugnete, werden nie auf deinen Wangen brennen.
Man soll das Gute um so mehr lieben, auch öffentlich zuthun nicht meiden, um so überzeugter man ist, daß durch dasBeispiel desselben Gutes bewirkt oder Böses verhütet werdenkönne.
Wenn der Reiche und Wohlhabende, statt den Ueberflußseines Vermögens in todter Pracht, in leeren Festen, in kost-spieligen Zerstreuungen zu vergeuden, ihn nützlich zum Wohlseiner Mitbürger, zur Erhebung des gemeinen Wesens, zurRettung sinkender Familien verwendet: wer wird ihn tadeln?Aber wenn er, der vermittelst seiner Glücksgüter in allen irdischenGenüssen schwelgen könnte, diese verläugnet, und zur Einfaltder Sitten das erhabene Beispiel gibt; wenn er Aufwandmeidet, um Andere nicht zu einer unnützen Prachtliebe zu ver-leiten : so gehört ihm doppelte Bewunderung. Er wirkt wohl-thatig auf eine große Zahl seiner Mitbürger mit edler Selbst-verleugnung um ihrer willen.
Wenn der Minderbegüterte sich das Entbehrliche abdarbet,um eine gemeinnützige Stiftung zu gründen oder befördern zuhelfen, so ist es sein Beispiel, durch welches die Eigennützigkeitder Reichern beschämt und uberwunden wird, indem sie ohnevöllige Herzensverderbtheit sich nicht von einem weniger mitErdengütern Gesegneten übertreffen lassen können.
Am dringendsten aber wird es denen zur Pflicht, öffentlichedel und groß zu handeln, auf deren Handlungen als MusterAndere zu sehen berechtigt sind. Aeltern sollen, was sie Gutesthun, im Angesicht ihrer Kinder thun, nicht um von diesen be-wundert zu werden, sondern ihnen Muth zu tugendhaften Hand-lungen und zur Selbftverläugnung einzuflößen. Ihr Ruhm dabeiist gering, aber um so größer ihre Schmach, wenn sie Kinder ihreLaster, ihre Unanständigkeiten, ihre Zwietracht, ihre fehlerhaften