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1 (1837) Andachtsbuch einer christlichen Familie
Entstehung
Seite
331
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vergebliche Sorge und Angst verursache? Ist es nicht möglich,daß ich hier oder da durch mein vorlautes, unbedachtes UrtheilLeidenschaften errege, Verdruß, Haß, Verachtung gegen micherwecke, Parteiungen veranlasse, oder den Zwist derselbenbefördere, statt ihn zu mindern? Ist es nicht möglich, daßOhrenbläser, Horcher, geheime Feinde von mir meine Wortemit Schadenfreude auffangen, und meine Urtheile an Personenverrathcn, welche dadurch ein Recht bekommen, mich als ihrenWidersacher, als ihren und der obrigkeitlichen Ordnungen Feindanzusehen, oder wenigstens doch verdächtig zu finden? Ist esnicht möglich, daß das im Leichtsinn ausgestoßene Wort, ohnedaß ich's vermuthe, der erste Grund großer Unannehmlichkeitenfür mich oder fur mein Haus wird?

Nicht daß man in vertraulicher Unterhaltung mit seinenFreunden in einer allzugroßen Ängstlichkeit ein strenges Wägender Worte beobachten müsse, wodurch zuletzt jede heitere, zwang-lose Unterredung verbannt werden würde aber, wie überSeinesgleichen, so auch über Regenten, soll der Christ mit zarterSchonung und Behutsamkeit richten. Alle Gefahr wird ver-schwinden, wenn ein liebendes, sanftes Herz aus ihm redet.Dann wird er lieber, wo Andere verdammen, entsclwldigen,wo Andere richten, erst prüfen.

Eben diese Vorsicht des Christen macht für ihn die furcht-bare Brut falscher Gerüchte gefahrlos; sie sichert ihn gegen dieTäuschungen der Leichtgläubigkeit, durch welche schon Mancherauf längere oder kürzere Zeit seinen Lebensgenuß verbitterte.Er wird, ehe er willig glaubt, erst den Quellen nachforschenund diese würdigen; er wird den beunruhigenden Sagen ent-gegen arbeiten, und sie durch entgegengestreute Zweifel schwächen;er wird die unberufenen Schreier lähmen, die da sagen: UnsereZunge soll überhand haben; uns gebührt zu reden; wer istunser Herr?

Ach, wie viel Schreckliches gebar oft ein Wort des Leicht-sinns, eine Lüge der Bosheit, die geflissentlich zum Verderbendes Volks im Volk ausgesprengt ward! Aber wie viel Gutesward auch nicht oft schon durch den Mund eines Weisen gestiftet,