Druckschrift 
1 (1837) Andachtsbuch einer christlichen Familie
Entstehung
Seite
316
Einzelbild herunterladen
 

316

21 .

Der Christ und die Zeiten.

Eph. 5/ iS. l6.

Wenn Du durch WiderwärtigkeitMich läutern willst/ ich bin bereit/

^ Die Last zu trage»/ die Du mir/

Mein Vater/ hier

Auflegen willst; sie kommt von Dir.

Die Selbstverläugnung fordert Muth/

Doch ist sie nicht ein köstlich Gut?

Wer gleicht im Druck de« Zeit nicht gernDen Märtirer»/

Nicht gern auch Christo/ seinem Herrn?

Eine der gewöhnlichsten Klugen, die man hört, ist die Klageüber die gegenwärtige Verschlimmerung der Zeiten. Wir ver-nehmen sie aus allen öffentlichen Blättern, auf allen Straßen,bei allen Zusammenkünften.

Ohne zu untersuchen, ob auch dies harte Urtheil jederzeit ausreinen Quellen fließe; ohne zu prüfen, ob die Klage in allen Dingewgegründet sei: stimmen wir oft mit ein, wenn uns entweder einUngemach widerfahren ist; oder wenn wir gezwungen sind, ausMangel hinreichenden Vermögens den Aufwand einzuschränken,welchen wir gern machen möchten; oder wenn irgend ein schlechterMensch uns betrog, oder ein anderer unsere Güte stolz undhohnlachend mit schnödem Undank vergalt; oder wenn wir endlichaus Mangel an nöthiger Klugheit und Vorsicht uns selbst inSchaden brachten. Da seufzt man: es sind böse'Zeiten! dieWelt wird täglich schlimmer.

Solche Klagen aber haben allerdings einen großen Einflußauf die Zufriedenheit unsers Gemüthes, auf unsere Denkart, aufunsere Handlungsweise. Denn so wie wir die Welt anzusehen,zu beurtheilen pflegen, so behandeln wir sie auch; und was wirvon den Menschen halten, das zeigen wir ihnen auch durch unsereWorte, Geberden und Thaten.

Da also die Ansicht der Welt, der Menschen und der Zeit-umstände, ohne daß wir es zuweilen bemerken, eine Richtschnur