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1 (1837) Andachtsbuch einer christlichen Familie
Entstehung
Seite
303
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und zu trennen, schwächt zuletzt den Verband des ganzen Staats-gebäudes, treibt die alterthümlichen, ehrwürdigen Formen aus-einander, befördert der Sitten wildes Verderbniß, und wirdin entscheidenden Tagen nicht selten zum schnellen Untergang desVaterlandes mitwirkend. Wie mögen diejenigen in der Stundeder Gefahr freudig für einander kämpfen, die gewohnt sind, sichzu hassen? Wie mögen die in einem großen Augenblick sich füreinander willig zum Opfer bringen, die ihre Lust daran fandensich gegenseitig zu kränken und zu erniedrigen? Ihr erstaun-tet über den furchtbar schnellen Verfall manches Reiches. EuerErstaunen verschwindet, wenn ihr das durch Jnnungsstolz,Standesehrgeiz und Rangsucht vielfach verbreitete Sitten-verberben, die vielfach geschwächte Vaterlandsliebe, die viel-fach genährten Selbstsüchtigkeiten der einzelnen Bürger und dereinzelnen Stände sehet!

Hinweg mit dieser Selbstsucht, mit diesem Gift, welches,die beste Kraft der Staaten auflösend, sie tödtet. Furchtbarward die Unschuld schon da gerächt, wo der stolzen Spötter sichschon viele über sie erhoben. Die schrecklich warnende Erfahrungruft uns, und die Himmelsstimme des göttlichen Wortes mahntuns:Ehret Jedermann! Habet die Brüder lieb!Fürchtet Gott! Ehret den König!"

Achte jeden Stand, auch wenn er nicht so glänzend ist,als der deinige. Erinnere dich, es ist nicht dein, es ist GottesWerk, daß du ein Mitglied des Standes und Berufes gewordenbist, in welchem du gegenwärtig lebst. Warum überhebst dudich eines eingebildeten Vorzugs? Warum brüstest du dich mitdem, was dich nicht ehren kann, sondern dem du Ehre erwerbensollst? Warum verachtest du den, welcher eine geringere Stellein der bürgerlichen Gesellschaft einnimmt, als du? Warst du es,der über dein Loos entschied, ehe du geboren wardst? Warst dues, der über deine Aeltern, deine Verwandten, über deren Ver-hältnisse und Vermögen wachte? Nein, Gott war cs, deinSchöpfer! Uns achtest du dich glücklicher in deiner Lage, indeinem Stande, als in jedeni andern o so verachte die Ge-nossen anderer Stände nicht, sondern weihe demuthsvoll deinem