Druckschrift 
1 (1837) Andachtsbuch einer christlichen Familie
Entstehung
Seite
240
Einzelbild herunterladen
 

240

soll. Diese Geschäfte, werden sie nicht im Dienste anderer Personengeübt um des Lohnes willen, sind gering, wenn sie bloß für dieErhaltung der einzelnen Person gethan werden, die sie besorgt.Darum geschieht der Welt nur unbedeutender Gewinn; cs wird' kein Gatte für seine Mühe im stürmischen Gewühl des Lebensdadurch belohnt und erquickt; es werden keine Kinder dadurchgenährt und erzogen für Gott und Vaterland. Hier sind nursehr beschränkte Privaterfüllungen im engen, eigenen Kreise;nirgends große und edle Zerstreuungen durch vielseitige Anwendungder von Gott geschenkten Kräfte.

Aus dieser Ursache entstehen vielerlei Fehler, welche gewöhnlichden Unvermählten zum Vorwurfe gereichen. Aus Mangel bessererBeschäftigungen des Geistes und Herzens suchen sic in DingenBeschäftigung und Nahrung für Herz und Geist, wozu sie unterandern Verhältnissen ihre Zuflucht nicht genommen haben würden.Hingerissen durch die Gewalt ihres Gefühls und Sinnes für-häusliches Leben, mischen sie sich zuweilen unbcfugterweise in dieAngelegenheiten fremder Haushaltungen. Sie werden neugierig,geschwätzig, und bei ihrer leichten Verstimmtheit oft hart undunacrecht in Urtheilen über die Glücklichere!. Andere vergessenihres Alters, und gewöhnt an die seichten Schmcichelen, welcheihnen in den Zeiten ihrer Bliithe zugeflüstert wurden, suchen sie umso begieriger nach denselben, je seltener sie werden. So werdensie durch Gefallsucht zur Unzeit oft lächerlich, oft widerlich.Andere, uni sich von diesen Entartungen rein zu erhalten, und sichdem Höhern und Göttlichen ganz zuzuwenden, verlieren sich inschwärmerische Andächteleien, in unfruchtbare Betereien, vor denenJesus Christus so ernst gewarnt hat. Sie eilen in die Gottes-häuser, und gestatten sich dagegen Verzeihung manches Vergehensim Leben und Umgang, welches Andern Schmerz verursacht.

Doch dies find nur Fehler und Verirrungen weniger ein-gebildeter Frauenzimmer, deren Geist und Herz in frühemJahren versäumt ward. Mit Spott werden sie von denUebrigen gestraft. Und doch, wie verzeihlich sind ihre Verirrungen!Wie verzeihlich dem Unglücklichen eine Entartung, worin erZufriedenheit mit sich selber, Aussöhnung mit seinen Verhalt-