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1 (1837) Andachtsbuch einer christlichen Familie
Entstehung
Seite
217
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Und kannst du selbst nicht deine Vorliebe für das eigeneKind verläugnen, o verlaugne sie wenigstens deinem Gatten; erwird gerührt deinen Edelsinn und dies zarte Gefühl mit vcr-doppelter Achtung und Liebe vergelten. Verbirg sie wenigstensdem Stiefkinde, und verrathe sie nicht in Thaten, nicht in Worten,nicht einmal in Gebehrden, und du wirst dir ein freundlichesHerz zueigncn, das nach einem theilnehmenden Herzen sucht!Dich wird doppelte Liebe von allen Seiten und die Ehrfurchtder Welt umringen. Denn wie man die Lieblosigkeit der Stief-ältern allgemein verachtet und hasset, uni fo höhere Gerechtigkeitund Bewunderung pflegt man der Tugend solcher zu zollen, dieden Stiefkindern eben so treue, zärtliche Aeltern sind, als wärenes die eigenen.

Verbirg deine Vorliebe den Kindern - sie sind scharfsichtigerals die Ewachsenen, weil ihre Aufmerksamkeit noch durch wenigerGegenstände zerstreut ist; weil sic noch auf nichts so sehr achten,als auf die Mienen und Worte ihrer Aeltern, in denen sie ihreGebieter, ihre Geliebten, ihre Schutzengel, ihre Vorbilder zusehen berechtigt sind. - Wehe, wenn jemals deine Vorliebedurch unvorsichtige Liebkosungen den Neid des Minderbeglücktenrege machte: du hast den Samen der Hölle in den Boden derLiebe gestreut. Wehe, wenn deine Vorliebe dich jemals zu einerUngerechtigkeit gegen das minder geliebte Kind verleitete: du hastder Unschuld Thränen erpreßt, die Gott zählt.

Und einst, wenn dies von dir mit Vater - und Muttcrtreuegepflegte Stiefkind erwachsen ist; wenn cs einsieht, wie Großes,unaussprechlich Großes du an ihm gethan hast, da du selbst deineigenes Herz und dessen natürliche Regungen überwältigen mußtest,um nicht weniger zu scheinen dem Einen wie dem Andern: erstdann wird dir diese ehrwürdige Liebe mit heiliger Liebe ver-golten werden. Erst aus der Erkenntniß der Wohlthat entwickeltsich die Fülle der Dankbarkeit! Daher die nicht seltenen Bei-spiele, daß Stiefkinder im spätem Alter lebhaftere Theilnahme,oft rührendere Beweise der Anhänglichkeit gegen gute Pflcgeältcrngaben, als rechte Kinder. Denn was diese sich oft als Wirkungenvon Pflicht anzusehcn gewöhnen, erkennen jene als Zeugenl. io