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1 (1837) Andachtsbuch einer christlichen Familie
Entstehung
Seite
149
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Schon die erste Erziehung von Kindern begüterter Aeltcrnpflegt den Keim zum nachmaligen Verschlechtern der Gemüths-art zu pflanzen. Solche Kinder, theils zärtlicher gehegt undgeschont, theils von ihren Erziehern, Dienstboten und andernUmgebungen der Aeltern und deren Vermögen wegen, geschmei-chelt, werden schon dadurch, wenn fie Anlagen zur Schlaffheithaben, träger, weichlicher, üppiger, stolzer herabsehend aufVerdienst ohne Gut; oder wenn sie Anlagen zu einer gewissenLebhaftigkeit des Gemüths haben, eigensinniger, herrischer, recht-haberischer, hochmüthiger. Es ist daher nur allzugewöhnlich,Laß die verdienstvollsten und würdigsten oder durch ihre Tugendberühmtesten Personen von dunkler Herkunft, vom Mittelständewaren, die sich nachmals emporschwangen; ferner daß die Kinderruhmwürdiger Aeltern entarteten, und durch Gemeinheit undSchwäche den Glanz ihrer Vorfahren trübten.

So wie die eiserne Noch die Erzieherin des ganzen Menschen-geschlechts war: ist eine gewisse mit Freiheit verbundene Strengeund Rauhheit, die zur Entwickelung der Kraft durch derenAnstrengung treibt, die beste Pflegemutter großer und trefflicherGeister. Aber in den Palästen der Begüterten suchen wir diesevergebens: da hält süßliche Schmeichelei Wache gegen den Ein-tritt ernster Tugenden. Es gibt aber keine Ehristentugendohne eine hohe, Alles überwältigende Gemüthskrast. Selbstdie Ehen der Reichen, selten durch Natur und Liebe, sondernmeistens durch Rücksichten auf Vermögen und Stand geschloffen,tragen an sich schon zur Entartung der Geschlechter und zurHervorbringung einer schwächlichcrn oder talentlosem Nach-kommenschaft bei. Was hier nicht der Mangel gegenseitigerZuneigung der Aeltcrn verschuldet, wirken mehr oder wenigervon der andern Seite verderbte Säfte, wie solche beim beständigenGenüsse verkünstelter und übermäßig reizender Nahrungsmittelund Getränke nicht anders sein können. Vergleicht die frisch-blühende Jugend des Mittelstandes und des Landmanns mitden zarten Bleichlingen der reichsten Häuser! Aber Niemandenbefremde es, wenn die Nachkömmlinge der herrlichsten Ahn-herren selten mit den Tugenden derselben wetteifern können.