Druckschrift 
1 (1837) Andachtsbuch einer christlichen Familie
Entstehung
Seite
140
Einzelbild herunterladen
 

140

schätzt wegen dessen, was er hat, nicht wegen dessen, was erin sich selbst gilt! Erst dann wird es sich auch stärker in dirregen, durch Verdienste des Herzens zu glänzen, wenn du auchauf äußern Glanz in Gcrätbe und Kleidern und andern Aus-gaben Verzicht thust. Und wahrlich, bald wirst du dir selbstbekennen, du habest das bessere Theil erwählt. Alles, wonachdu sonst vergebens getrachtet Haft, jener Friede, jene heitereGemüthsruhe, jene stille Ehrfurcht guter Menschen gegen dich,jenes Bewußtsein vom Beifalle Gottes: dies Alles wird dir vonselbst zufallen, indem du nach Gütern des Herzens, nach demReich Gottes trachtest. (Luk. 1Z, 31.)

Aber auch dann erst wirst du vermögend sein, nicht nur einglücklicher, sondern auch ein wahrhaft erhabener Sterblicher zuwerden, wenn du aufgehört hast, Sklave deiner Sinnlichkeitzu sein. Dann gehört die Kraft deines Gemüths uns deinerErkenntniß ganz dir selbst; bisher hattest du deine Kräfte ineiteli^Bestrebungen zersplittert, und mehr gelebt, um Andern,als um dir sebst zu gefallen. Nur wer an sogenannten Glücks-gütern arm, und durch Genügsamkeit reich genug ist, mit Vielem,was er erübrigt, der Welt mannigfaltig nützlich zu werden:nur ein solcher ist der größten und edelsten Dinge fähig. EinReicher ist's seltener. Ihn fesselt das Vorurtheil der Gewohn-heit und Erziehung mächtiger. Daher waren die erhabensten undtugendhaftesten Menschen des Altcrthums meistens bedürftig angroßen Glücksgütern. Sie schalteten über größere Ncichthümerin ihrer Brust. Eben der Druck der Umstände, die Härte undStrenge der Lebensart , zu der sic sich gewöhnten, die Meidungaller Verweichlichung, entwickelte und bildete ihre Gemüthskrastin wunderbarer Größe aus. Viele ihrer Namen schimmern nochheute, gleich segensvollen Gestirnen, aus der Vergangenheitauf uns. Jesus, der ewige Sohn der Gottheit, er selbst ver-schmähte für die höhern Genüsse der Seele die niedrige Lustgemeiner Menschen. Er war ohne äußere Glücksgüter, aber dochüberschwenglich reich. Er war der Wohlthätcr derer, die ihmbegegneten. Er hatte wenig Bedürfnisse, arbeitete wenig fürsich: desto mehr blieb ihm Zeit und Kraft, für Andere zu arbeiten.