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Gott gab? Warum denkt denn jeder Reichgewordene noch mitSehnsucht an die Tage zurück, da er zwar weniger besaß, abersich des Wenigen herzlicher freuen konnte, als jetzt des Vielen?
Wahrlich, es ist ein tiefer, erfahrungsreicher Sinn in denWorten der heiligen Schrift: Mancher ist arm bei großemGut, und Mancher ist reich bei seiner Armuth. (Spr.Sal. 13, 7.) Nicht das größere oder kleinere Vermögen, welchesman besitzt, sondern die Art und Weise, wie man sich bei diesemVermögen benimmt, um es anzuwenden; die Art und Weise,wie man es betrachtet, ob als Mittel oder als Zweck desLebens: nur dies macht unfern Reichthum und unsere Armuthaus. Ist der Taglöhncr bei seiner Brodrinde, die er nebendem gefunden Wasserguell frohen Muthes verzehrt, nicht reicher,als der reichste Schiffer, der mit allen Schätzen Indiens aufdem Weltmeere in Gefahr ist, aus Mangel an Nahrung um-zukommen? — oder als der Geizige, der neben seinen Zins-rechnungen sich jeden Lebensgenuß abdarbt, um Geld zuhäufen? -— oder als der reiche Schlemmer, der mit ver-dorbenen: Blute und Saften kränkelnd nicht genießen mag? —oder als der begüterte Böstwicht, den Jeder scheut und meidet,wenn er cs irgend kann, und der keinen einzigen wahrenFreund hat? O, Mancher ist arm bei großen: Gut, undMancher ist reich bei seiner Armuth!
Nicht der Besitz großen Gutes, sondern großerGenuß von einen: Gute, groß oder klein, macht reich.Man nennt Erwerben eine Kunst. Alle Aeltern unterrichtensorgfältig ihre Kinder darin, als wäre keine wichtigere im Leben.Aber mit Weisheit genießen ist eine noch größere Kunst; wer sienicht versteht, für den ist das Erworbene wie nicht erworbenda. Und in dieser Kunst unterrichtet man leider die Jugendam seltensten, weil der Mensch einmal zur Unnatürlichkeit ver-wöhnt ist. Du bist nicht reich; die Welt hält dich vielleichtfür arm, weil es dir an Glücksgütern mehr fehlt als Andern.Beklage dich nicht! Weniger Glücksgütcr hast du, als der Andere;aber ob du darum arm bist, dies hängt erst von dir ab. Der,welcher dich darum verachtet, weil er mehr zu besitzen glaubt,