136
todten Schätzen, wenn unsere Kräfte nun erschöpft sind? Gebensie uns die für sie elend aufgcopferte Jugend zurück? Verbannensie die eisgraue Farbe unscrs Greiscnhaares? Füllen sic unsereAdern mit verjüngter Lebenskraft? Setzen sie unserm Daseinauch nur eine Stunde mehr zu? — Nein, wir stehen gewöhnlicham Ziele langer Mühen, wenn wir keinen Gebrauch davonmachen können. Wir freuen uns des Gewonnenen, wenn esZeit ist, Abschied davon zu nehmen.
Was hilft endlich das reich zusammcngcscharrte Vermögen?Können wir nun mehr thun, als unfern Leib bekleiden, alsunfern Hunger sättigen, unfern Durst löschen? Nein! daskonnten wir das ganze Leben hindurch auch, wenn gleich mitgeringcrm Aufwand. Aber schmeckt uns nun der Leckerbissenköstlicher, -als ehemals die einfachste Speise, da Gesundheit,Jugend, Arbeitsamkeit und Freude unsere Tischgenosscn waren?Hält uns das thcuere Kleid wärmer und gesünder, als vorZeiten das wohlfeile, in welchem wir Wind und Wetter trotzten?Ddcr haben wir nun größere Verdienste um die Menschheit undum den Himmel, da wir nun etwas mehr haben, als hundert-tausend Andere? Sind wir in der That hochachtungswürdigcrund weit gelehrter, nun uns Andere, nicht wegen unsererTugend, sondern wegen unscrs Geldes, Schmeicheleien sagen,über die sie im Herzen lachen? Wer hat zuletzt das Leben ambesten genossen? Derjenige, welcher um froh und heiter zuwerden, fünfzig Jahre in Angst und Gefahr verbrachte, oderderjenige, welcher, ohne den Rcichthum zu erwarten, damitanfing, fünfzig Jahre froh und heiter zu sein?
Es ist ein seltsamer Wahn, eine fürchterliche, alles Lebens-glück störende Leidenschaft, reich sein zu müssen, um glücklichzu werden! Hätte dies in Gottes Plan gelegen, wahrlich, keinSterblicher wäre arm. Aber Rcichthum und Hoheit beseligenschlecht. Warum steigt denn so mancher Fürst vom Throne,und vertauscht den Glanz des Hofes mit der bcaeidcnswürdigenEingezogenheit des Privatlebens? Warum liegt denn Sorge undSchmerz in den Gcbcrden so vi.l.r Neichen, während der Acr-mere jauchzt und den Tag geniest und den Segen, welchen ihm