130
nehmen. Beide verschwenden in ihrer Art, denn sie wissen, eSwird ihnen nicht fehlen. Der Reiche verläßt sich auf die TonnenGoldes, der Bettler auf die Gutwilligkeit und FreigebigkeitAnderer. Der bettelnde wie der vornehme Müßiggänger stürzensich in den gleichen Schlamm von Lastern. Beide suchen nurthierischcn Sinnenkitzel, beide Genuß in Leckereien und ttcvpig-keilen; beide haben ihren Stolz, ihre Ränke, ihre Umtriebe.
Almosen ohne Arbeit vermehren die Gefahr fürdas öffentliche Wohl, um so reichlicher sie ertheilt werden.Denn die habcloscn Geschlechter, der Unterstützung sicher, ver,mehren sich darauf hin durch erlaubte und unerlaubte Verehe-lichungen. Ihre Ausrottung wird schwerer, je stärker ihre Zahlwächst, und das ihnen inwohnende Gefühl ihrer Kraft gibt ihnenzuletzt Much, mit List oder Gewalt das an sich zu bringen, waSihnen Barmherzigkeit reichlicher zu geben sich weigert. Almosenohne Arbeit sind Aussaaten, von welchen Dicbcsrotten undRäuberbanden erwachsen. Wer den Tiger füttert, wird vonihm zuletzt zerrissen. Es ist das Kennzeichen liebloser Un-barmherzigkeit von den Einwohnern eines Ortes, in welchemMenschen, die ihr Leben nicht durch Arbeit erhalten können,vor der Thür der Wohlhabenden um Almosen flehen. Es istaber das Kennzeichen großer Unordnung und gefährlichen Leicht-sinnes gegen die öffentliche Ruhe, wo man Arbeitsfähige durchreichliche Almosen von nützlicher Thätigkeit abhält.
Arbeit geben ohne Unterricht zur Selbstvercdelungdes Menschen, heißt freie Wesen in Sklaven, MenscheninThiere verwandeln. Dies ist falsche Hilfe! Aus ihr,nicht aus dem Mangel des Nothwendigsten, entspringt dieGefahr. Denn wenn ihr schon den Leib nähret, aber den Geisttödtct, was habet ihr Gutes gethan? Ist der Leichnam mehr alsdie Seele? Doch mustert die Familien der verwahrloseten Land-leute ! Arbeit haben sie; aber sechs Tage ins Joch eingespannt,gleich dem Zugvieh, treiben sic ihr Leben in dumpfer Gedanken-losigkeit hin. Der siebente Tag, ihnen zur Ruhe vergönnt,wird ihnen ein Tag roher, thierischer Lust. Vielleicht als Kinderwaren sie in keiner Schule, oder in so elend bestellter, daß der